Schwanger nach Fehlgeburt: wie schnell es wieder klappen kann und wie wahrscheinlich es ist
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Nach einer frühen Fehlgeburt kannst du aus medizinischer Sicht in den meisten Fällen wieder versuchen, schwanger zu werden, sobald du dich körperlich und seelisch bereit fühlst. Eine feste Wartezeit von drei oder sechs Monaten ist nach heutigen Studien nicht nötig: Paare, die innerhalb von drei Monaten wieder anfingen, wurden in einer großen US-Studie sogar häufiger schwanger und bekamen häufiger ein Kind [1].
Auch die Aussichten sind meist gut. Nach einer einzelnen Fehlgeburt verlaufen etwa acht von zehn Folgeschwangerschaften ohne erneuten Verlust [6]. Was sich nach zwei oder drei Fehlgeburten ändert, welche Rolle Ausschabung oder Tabletten spielen und wann eine Abklärung sinnvoll ist, liest du hier.
Schwanger nach Fehlgeburt: Wie lange solltest du warten?
Lange galt der Rat, nach einer Fehlgeburt mindestens sechs Monate mit einer neuen Schwangerschaft zu warten. Diese Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stützte sich allerdings auf eine einzige große Studie aus Lateinamerika [2]. Inzwischen gibt es deutlich bessere Daten.
Eine Übersichtsarbeit mit Metaanalyse (eine Auswertung, die die Ergebnisse vieler Studien statistisch zusammenfasst) hat 16 Studien mit über einer Million Frauen ausgewertet [2]. Frauen, die innerhalb von sechs Monaten nach einer Fehlgeburt erneut schwanger wurden, hatten kein höheres Risiko für Totgeburt, Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) oder ein niedriges Geburtsgewicht. Das Risiko für eine erneute Fehlgeburt (relatives Risiko 0,82) und für eine Frühgeburt (0,79) war sogar etwas niedriger [2].
Ähnlich fiel eine US-Studie mit 1.083 Frauen aus, die ein oder zwei frühe Fehlgeburten hinter sich hatten [1]. Wer innerhalb von drei Monaten wieder versuchte, schwanger zu werden, bekam in der Beobachtungszeit häufiger ein Kind als Frauen, die länger gewartet hatten (53,2 % gegenüber 36,1 %). Sie wurden außerdem schneller schwanger: Die statistische Chance pro Zyklus war deutlich höher (angepasstes Odds Ratio 1,71) [1]. Die Autorinnen und Autoren folgern, dass es keinen körperlichen Grund gibt, nach einer frühen Fehlgeburt mit dem nächsten Versuch zu warten.
Eine Einschränkung gehört dazu: Das sind Beobachtungsstudien. Frauen, die früh wieder anfangen, unterscheiden sich womöglich in anderen Punkten von denen, die länger warten. Dass Warten schadet, lässt sich daraus nicht ableiten. Belegt ist aber, dass frühes Probieren nach einer frühen Fehlgeburt nicht schadet.
Warum trotzdem manchmal zu einer Pause geraten wird
Manche Ärztinnen und Ärzte empfehlen, eine Regelblutung abzuwarten. Der Grund ist meist praktisch: Mit einer ersten Periode lässt sich die neue Schwangerschaft leichter datieren. Außerdem kann das Schwangerschaftshormon hCG nach einer Fehlgeburt noch einige Wochen nachweisbar sein, sodass ein früher Test schwer zu deuten ist. Medizinisch zwingend ist diese Pause nach einer unkomplizierten frühen Fehlgeburt nach den vorliegenden Daten nicht.
Anders kann es aussehen, wenn die Situation nicht der typischen frühen Fehlgeburt entspricht. Dann gilt, was deine behandelnde Ärztin oder dein Arzt empfiehlt, zum Beispiel:
nach einer Blasenmole (einer seltenen Fehlentwicklung des Mutterkuchens), weil der hCG-Wert bis zur Normalisierung kontrolliert werden muss
nach einer Eileiterschwangerschaft, besonders nach Behandlung mit Medikamenten
nach einem späten Verlust im zweiten Schwangerschaftsdrittel
bei starkem Blutverlust, Blutarmut oder einer Infektion
wenn gerade eine Abklärung läuft und Ergebnisse noch ausstehen
Die Studien oben haben Eileiterschwangerschaften und Blasenmolen ausdrücklich ausgeschlossen [1]. Und unabhängig von allen Zahlen: Wenn du Zeit zum Trauern brauchst, ist das ein ebenso guter Grund zu warten wie jeder medizinische.
Erhöhte Fruchtbarkeit nach Fehlgeburt: Mythos oder Fakt?
Oft heißt es, man sei nach einer Fehlgeburt besonders fruchtbar. Belegt ist das nicht. Die US-Studie zeigt zwar, dass Frauen, die früh wieder anfingen, schneller schwanger wurden [1]. Eine kleinere Studie mit 70 Paaren, die über mehrere Versuche hinweg beobachtet wurden, fand dagegen eher Hinweise, dass es nach einem Verlust etwas länger dauern kann als davor [3].
Die ehrlichste Zusammenfassung lautet daher: Eine einzelne frühe Fehlgeburt verschlechtert die Fruchtbarkeit in aller Regel nicht. Einen besonderen „Fruchtbarkeitsschub“ danach solltest du aber nicht erwarten. Wenn es nicht sofort klappt, ist das kein Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Wie du deine fruchtbaren Tage bestimmst, liest du im Beitrag Fruchtbare Tage und Eisprung berechnen.
Wie wahrscheinlich ist eine erfolgreiche Schwangerschaft nach 1, 2 oder 3 Fehlgeburten?
Mit jeder weiteren Fehlgeburt steigt das Risiko, dass auch die nächste Schwangerschaft nicht hält. Wichtig ist aber der Blick auf die andere Seite der Zahl: Auch nach mehreren Verlusten verläuft die Mehrzahl der Folgeschwangerschaften gut. Die genauesten Zahlen dazu stammen aus einer Registerstudie mit allen Schwangerschaften in Norwegen zwischen 2009 und 2013 [6].
Vorherige Fehlgeburten in Folge | Anteil mit erneuter Fehlgeburt | Anders gesagt |
|---|---|---|
keine (erste Schwangerschaft) | 11,6 % | knapp 9 von 10 ohne Fehlgeburt |
1 | 19,8 % | etwa 8 von 10 ohne Fehlgeburt |
2 | 27,7 % | gut 7 von 10 ohne Fehlgeburt |
3 oder mehr | 41,9 % | knapp 6 von 10 ohne Fehlgeburt |
Quelle: norwegische Registerdaten, 421.201 Schwangerschaften [6]. Die Werte beschreiben Gruppen, nicht deine persönliche Wahrscheinlichkeit. „Ohne Fehlgeburt“ ist nicht ganz dasselbe wie „Geburt eines Kindes“, kommt dem aber nahe.
Welche Rolle das Alter spielt
Neben der Anzahl der Verluste ist das Alter der wichtigste Einflussfaktor. Mit steigendem Alter nimmt der Anteil der Fehlgeburten zu, die auf eine fehlerhafte Chromosomenzahl des Embryos zurückgehen [7]. In den norwegischen Daten lag das Fehlgeburtsrisiko pro Schwangerschaft zwischen 25 und 29 Jahren bei etwa 10 %, zwischen 35 und 39 Jahren bei etwa 17 %, zwischen 40 und 44 Jahren bei etwa 32 % und ab 45 Jahren bei über 50 % [6]. Auch nach Berücksichtigung des Alters blieb die Anzahl der vorangegangenen Fehlgeburten ein eigener Faktor [6].
Wie sich die Chancen über mehrere Jahre entwickeln, auch nach vier oder mehr Verlusten, beschreibt der Beitrag Gesundes Kind nach wiederholten Fehlgeburten: die Zahlen. Allgemeine Prognosen zur Schwangerschaftschance findest du unter Wie sind meine Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft?.
Schwanger nach Ausschabung, Tabletten oder abwartend
Eine frühe Fehlgeburt kann auf drei Arten behandelt werden: abwartend (der Körper stößt das Gewebe von selbst ab), medikamentös (mit Tabletten, die das Ausstoßen unterstützen) oder operativ mit einer Ausschabung (Kürettage, meist als Absaugung in kurzer Narkose). Viele Frauen fragen sich, ob die gewählte Methode die spätere Fruchtbarkeit beeinflusst.
Die beste Antwort liefert die britische MIST-Studie, in der 1.199 Frauen zufällig einer der drei Behandlungen zugeteilt wurden [4]. Fünf Jahre später hatten 79 % der Frauen nach abwartendem Vorgehen, 79 % nach Tabletten und 82 % nach Ausschabung ein Kind bekommen. Die Unterschiede waren nicht bedeutsam. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Sorge um die spätere Fruchtbarkeit die Wahl der Behandlung nicht bestimmen muss [4]. Ältere Frauen und Frauen mit früheren Fehlgeburten bekamen seltener ein Kind, unabhängig von der Methode.
Eine Besonderheit nach Ausschabungen sind Verwachsungen in der Gebärmutterhöhle (Adhäsionen, im schweren Fall Asherman-Syndrom genannt). In Studien, in denen die Gebärmutter nach einer Fehlgeburt gespiegelt wurde, fanden sich solche Verwachsungen bei etwa jeder fünften Frau, meist in leichter Form [5]. Das Risiko stieg vor allem mit der Zahl der Ausschabungen [5]. Wenn deine Periode nach einer Ausschabung deutlich schwächer ist als früher oder ganz ausbleibt, sprich das an. Ein Grund, nach einer einmaligen Ausschabung grundsätzlich länger zu warten, ergibt sich daraus nicht.
Ab wann eine Abklärung sinnvoll ist
Eine einzelne frühe Fehlgeburt ist häufig und meist ein zufälliges Ereignis, oft durch eine Chromosomenstörung des Embryos [7]. Eine ausführliche Ursachensuche ist danach in der Regel nicht nötig. Nach mehreren Verlusten sieht das anders aus.
Europäische Leitlinie (ESHRE): spricht schon ab zwei Schwangerschaftsverlusten von wiederholten Fehlgeburten. Paare mit zwei oder mehr Verlusten können an eine spezialisierte Sprechstunde überwiesen werden, idealerweise schon vor der nächsten Schwangerschaft [7].
Deutschsprachige Leitlinie (DGGG, AWMF 015/050): definiert wiederholte Fehlgeburten als drei oder mehr aufeinanderfolgende Fehlgeburten vor der 20. Schwangerschaftswoche und hält eine Abklärung nach zwei Fehlgeburten im Einzelfall für gerechtfertigt [8].
In der Praxis spielen dein Alter, eine längere Zeit bis zur Schwangerschaft und die Frage, wie belastend die Situation für dich ist, eine Rolle. Was bei einer Abklärung untersucht wird und welche Behandlungen belegt sind, erklärt der Beitrag Wiederholte Fehlgeburten: Abklärung und Beratung. Wo du dafür hingehen kannst, liest du unter Wiederholte Fehlgeburten: zu welchem Arzt?.
Die neue Schwangerschaft und die Angst
Eine Schwangerschaft nach einem Verlust ist selten unbeschwert. Viele Frauen erleben die ersten Wochen zwischen Hoffnung und Angst, jedes Ziehen wird zur Frage. Das ist eine normale Reaktion und kein Zeichen, dass du etwas falsch machst. Eine Fehlgeburt ist nicht deine Schuld. Bei fast der Hälfte der einzelnen Fehlgeburten findet sich eine zufällige Fehlverteilung der Chromosomen beim Embryo, auf die du keinen Einfluss hattest [7].
Es kann helfen, mit deiner Frauenärztin früh zu besprechen, wie die Betreuung aussehen soll, zum Beispiel ob ein früher Ultraschall möglich ist. Wenn Trauer oder Angst über Wochen deinen Alltag bestimmen, ist psychologische Unterstützung sinnvoll. Warum es so wichtig ist, offen über Fehlgeburten zu sprechen, beschreibt der Beitrag Tabuthema Fehlgeburt.
Wann ein ärztliches Gespräch sinnvoll ist
Wenn du zwei oder mehr Fehlgeburten hattest und wissen möchtest, ob eine Abklärung für dich sinnvoll ist.
Wenn du nach einer Blasenmole, einer Eileiterschwangerschaft oder einem späten Verlust wieder schwanger werden möchtest.
Wenn deine Periode nach einer Ausschabung ausbleibt oder deutlich schwächer ist als vorher.
Wenn du 35 Jahre oder älter bist und es seit sechs Monaten nicht klappt, oder jünger und seit zwölf Monaten.
Wenn du in einer neuen Schwangerschaft Blutungen, starke Schmerzen oder Fieber hast: Dann bitte sofort ärztlich abklären lassen.
Wenn Trauer, Angst oder Schlaflosigkeit über Wochen anhalten.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Die Zahlen beschreiben Durchschnittswerte aus Studien. Wie sie für dich aussehen, hängt von deinem Alter, deiner Vorgeschichte und möglichen Befunden ab und sollte ärztlich besprochen werden.
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Die Zahlen nach mehreren Verlusten: Gesundes Kind nach wiederholten Fehlgeburten
Was untersucht wird: Wiederholte Fehlgeburten: Abklärung und Beratung
Die richtige Anlaufstelle finden: Wiederholte Fehlgeburten: zu welchem Arzt?
Befunde mit Ärztinnen und Ärzten besprechen: ärztliche Online-Sprechstunde
Quellen
Schliep KC, Mitchell EM, Mumford SL, Radin RG, Zarek SM, Sjaarda L, Schisterman EF. Trying to conceive after an early pregnancy loss: an assessment on how long couples should wait. Obstetrics & Gynecology 2016;127(2):204–212. DOI 10.1097/AOG.0000000000001159. Abstract
Kangatharan C, Labram S, Bhattacharya S. Interpregnancy interval following miscarriage and adverse pregnancy outcomes: systematic review and meta-analysis. Human Reproduction Update 2017;23(2):221–231. DOI 10.1093/humupd/dmw043. Volltext
Sapra KJ, McLain AC, Maisog JM, Sundaram R, Buck Louis GM. Successive time to pregnancy among women experiencing pregnancy loss. Human Reproduction 2014;29(11):2553–2559. DOI 10.1093/humrep/deu216. Abstract
Smith LF, Ewings PD, Quinlan C. Incidence of pregnancy after expectant, medical, or surgical management of spontaneous first trimester miscarriage: long term follow-up of miscarriage treatment (MIST) randomised controlled trial. BMJ 2009;339:b3827. DOI 10.1136/bmj.b3827. Volltext
Hooker AB, Lemmers M, Thurkow AL, Heymans MW, Opmeer BC, Brölmann HA, Mol BW, Huirne JA. Systematic review and meta-analysis of intrauterine adhesions after miscarriage: prevalence, risk factors and long-term reproductive outcome. Human Reproduction Update 2014;20(2):262–278. DOI 10.1093/humupd/dmt045. Abstract
Magnus MC, Wilcox AJ, Morken NH, Weinberg CR, Håberg SE. Role of maternal age and pregnancy history in risk of miscarriage: prospective register based study. BMJ 2019;364:l869. DOI 10.1136/bmj.l869. Volltext
ESHRE Guideline Group on RPL, Bender Atik R, Christiansen OB, Elson J et al. ESHRE guideline: recurrent pregnancy loss: an update in 2022. Human Reproduction Open 2023;2023(1):hoad002. DOI 10.1093/hropen/hoad002. Volltext
Diagnostik und Therapie von Frauen mit wiederholten Spontanaborten. S2k-Leitlinie der DGGG, OEGGG und SGGG, AWMF-Registernummer 015/050, Version 2.0, Stand Mai 2026. PDF
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