Chronische Endometritis: Ablauf der Biopsie, CD138-Befund und Behandlung
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Eine chronische Endometritis lässt sich nur über eine kleine Gewebeprobe aus der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumbiopsie) feststellen, die im Labor mit einer CD138-Färbung auf bestimmte Abwehrzellen, die Plasmazellen, untersucht wird. Ist der Befund positiv, sieht die deutsche Leitlinie als Option eine Antibiotika-Behandlung vor, zum Beispiel Doxycyclin über 14 Tage, und danach eventuell eine Kontrollbiopsie [1].
Dieser Beitrag ist der praktische Teil: Er erklärt, wie die Untersuchung abläuft, wie du einen CD138-Befund liest und wie Behandlung und Kontrolle aussehen. Was eine chronische Endometritis überhaupt ist, wie häufig sie vorkommt und was die Leitlinien grundsätzlich empfehlen, haben wir ausführlich im Hauptartikel Chronische Endometritis bei Kinderwunsch und Fehlgeburten beschrieben. Wenn du dort noch nicht warst, lies ihn am besten zuerst.
Was die Biopsie kann – und was nicht
Was sie zeigt: ob sich in der entnommenen Schleimhautprobe Plasmazellen nachweisen lassen, also Zellen, die auf eine anhaltende Entzündung hinweisen [1].
Was sie nicht zeigt: ob diese Entzündung die Ursache deiner Fehlgeburten oder ausbleibender Einnistungen ist. Ab wie vielen Plasmazellen ein Befund als auffällig gilt, ist international nicht einheitlich festgelegt [1, 2].
Wofür sie sinnvoll sein kann: als eine mögliche Abklärung bei wiederholten Fehlgeburten oder wiederholtem Einnistungsversagen, die die Leitlinien als Option und nicht als Pflicht einstufen [1, 2].
So läuft die Endometriumbiopsie ab
Für die Probe wird die Gebärmutterschleimhaut über die Scheide und den Muttermund erreicht. Es gibt zwei übliche Wege: Entweder wird mit einem dünnen, biegsamen Kunststoffröhrchen (häufig „Pipelle“ genannt) etwas Schleimhaut angesaugt, oder die Probe wird im Rahmen einer Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) entnommen, bei der die Ärztin oder der Arzt die Gebärmutterhöhle zusätzlich mit einer kleinen Kamera ansieht [1, 7].
Die Spiegelung allein reicht für die Diagnose nicht aus. Zwar gelten kleine Polypen, fleckige Rötungen oder punktförmige Einblutungen als Hinweise, sie stimmen aber nur schlecht mit dem feingeweblichen Befund überein. Die Leitlinie hält deshalb eine alleinige Hysteroskopie für unzureichend; entscheidend ist die Gewebeprobe [1].
An welchem Zyklustag?
Hier gibt es keine einheitliche Vorgabe. Viele Zentren entnehmen die Probe in der ersten Zyklushälfte, also nach der Periode und vor dem Eisprung (Proliferationsphase). Das hat aber einen Haken: In dieser Phase bilden auch die Drüsenzellen der Schleimhaut etwas CD138, was die Auswertung erschweren kann, und einige Studien fanden in der ersten Zyklushälfte mehr Plasmazellen als in der zweiten [3]. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2026 mit 249 Frauen nach wiederholten Fehlgeburten oder Einnistungsversagen fand dagegen keinen bedeutsamen Unterschied zwischen den Zyklusphasen [4]. Für dich heißt das: Frag, in welcher Zyklusphase deine Probe entnommen wird, und lass diese Angabe mit auf den Befund schreiben. Frag auch, ob du im Entnahmezyklus verhüten sollst.
Tut das weh?
Wie unangenehm die Entnahme ist, empfinden Frauen sehr unterschiedlich. In einer Studie mit 160 Frauen lag der mittlere Schmerzwert während einer Pipelle-Biopsie bei 2 auf einer Skala von 0 bis 10. Auffällig war, wie stark das von der Erfahrung der untersuchenden Person abhing: Bei erfahrenen Ärztinnen und Ärzten lag der Wert bei 2, bei Berufsanfängern bei 5 [7]. Frag deshalb ruhig nach, wer die Probe entnimmt und welche Schmerzmittel oder örtliche Betäubung vorher möglich sind. Wenn die Probe bei einer Gebärmutterspiegelung entnommen wird, hängt der Ablauf davon ab, ob diese ambulant ohne oder mit Narkose stattfindet.
Wie lange dauert es?
Die eigentliche Entnahme mit dem Röhrchen ist kurz, der Termin insgesamt dauert durch Vorgespräch, Lagerung und Ultraschall meist deutlich länger. Bei einer Gebärmutterspiegelung kommt die Zeit für die Spiegelung selbst dazu. Das Ergebnis bekommst du nicht sofort: Die Probe muss im Labor aufbereitet, gefärbt und unter dem Mikroskop ausgezählt werden. Wie lange das dauert, hängt vom Labor ab; frag bei der Entnahme nach, wann und wie du den Befund erhältst.
Den CD138-Befund lesen
CD138 ist ein Oberflächenmerkmal, das Plasmazellen tragen. Mit einer immunhistochemischen Färbung (Antikörper markieren die Zellen farbig) lassen sich diese Zellen im Gewebe deutlich besser erkennen als mit der klassischen Anfärbung. Die Leitlinie nennt den Nachweis von CD138-positiven Plasmazellen das empfindlichste und genaueste Kriterium, das es derzeit gibt, auch wenn keine allgemein anerkannte Definition existiert [1].
Im Befund steht meist eine Zahl: wie viele Plasmazellen pro Gesichtsfeld (englisch high power field, HPF, also ein Bildausschnitt bei 400-facher Vergrößerung) oder pro zehn Gesichtsfelder gezählt wurden. Genau hier liegt die größte Unsicherheit. Die europäische Fachgesellschaft ESHRE nennt als Beispiele für gebräuchliche Grenzen „mehr als eine“ oder „mehr als fünf“ Plasmazellen pro Gesichtsfeld [2]. Die deutsche Leitlinie beschreibt den Vorschlag, mindestens eine Plasmazelle pro Gesichtsfeld zu fordern, damit die Diagnose nicht zu häufig gestellt wird. Eine Auswertung mehrerer Studien fand einen Zusammenhang mit Fehlgeburten erst ab etwa fünf Plasmazellen, allerdings auf der Basis weniger Studien [1, 3].
Wie empfindlich die Zählweise ist, zeigt eine Untersuchung an 80 Frauen vor dem Transfer eines genetisch unauffälligen Embryos: Mindestens eine Plasmazelle fand sich in 49 % der Proben, fünf Plasmazellen pro zehn Gesichtsfelder nur noch in 11 % [3]. Ob ein Befund „positiv“ heißt, hängt also stark davon ab, welche Grenze das Labor anlegt.
Angabe im Befund | Was sie bedeutet | Was du fragen kannst |
|---|---|---|
CD138 immunhistochemisch | Plasmazellen wurden mit der genaueren Spezialfärbung gesucht | Wurde nur klassisch gefärbt oder auch CD138? |
Zahl pro HPF oder pro 10 HPF | Wie viele Plasmazellen in einem oder zehn Bildausschnitten gezählt wurden | Welche Grenze nutzt das Labor, und wie weit liegt mein Wert darüber? |
Zyklusphase der Probe | Wann im Zyklus entnommen wurde | Kann die Zyklusphase den Befund beeinflusst haben? |
„Vereinbar mit chronischer Endometritis“ | Die Pathologie sieht Hinweise, keine sichere Ursache für Fehlgeburten | Was folgt daraus konkret für meine Behandlung? |
Ein knapp positiver Befund ist etwas anderes als ein deutlich erhöhter. Es lohnt sich, die Zahl und die verwendete Grenze gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt anzusehen, statt nur auf das Wort „positiv“ zu schauen.
Die Behandlung: Antibiotika-Schema
Bei einem positiven Befund kann vor einer Schwangerschaft antibiotisch behandelt werden. Die aktuelle deutsche Leitlinie aus dem Jahr 2026 nennt als Beispiel Doxycyclin 200 mg einmal täglich über 14 Tage. Sind danach weiterhin Plasmazellen nachweisbar, kann ein zweiter Durchgang mit anderen Wirkstoffen folgen, zum Beispiel Ciprofloxacin mit oder ohne Metronidazol [1]. Die Leitlinie formuliert das als „kann“-Empfehlung, also als Möglichkeit, nicht als Standard [1].
Zur Einnahme von Doxycyclin gibt es ein paar praktische Punkte: Die Tabletten werden mit einem Glas Wasser im Sitzen oder Stehen geschluckt, danach solltest du dich mindestens 30 Minuten nicht hinlegen. Die Haut kann empfindlicher auf Sonne reagieren. Eisen- oder Zinkpräparate und Mittel gegen Sodbrennen können die Wirkung beeinflussen, deshalb sprich den Abstand zu solchen Präparaten ab. In der Schwangerschaft wird Doxycyclin üblicherweise nicht eingesetzt, weil es die Zahnentwicklung des Kindes beeinträchtigen kann [8]. Deshalb ist die Behandlung ausdrücklich für die Zeit vor einer Schwangerschaft vorgesehen [1].
Wie oft verschwindet die Entzündung?
Dass die Plasmazellen nach der Behandlung meist nicht mehr nachweisbar sind, ist gut belegt. Eine Auswertung von zwölf Studien fand eine Heilungsrate von 87,9 %; ohne Behandlung bleiben die Plasmazellen in etwa 90 % der Fälle bestehen [1]. In einer japanischen Studie bei Frauen mit wiederholtem Einnistungsversagen war der Befund nach Doxycyclin bei 92,3 % unauffällig, nach einem zweiten Durchgang mit Metronidazol und Ciprofloxacin insgesamt bei 99,1 % [6]. In der bislang einzigen randomisierten Studie, die allerdings andere Antibiotika verwendete (Levofloxacin und Tinidazol), waren nach 14 Tagen 89,3 % der Befunde unauffällig, ohne Behandlung 12,7 % [5].
Die Kontrollbiopsie
Nach der Behandlung kann eine zweite Probe zeigen, ob die Plasmazellen verschwunden sind. In der randomisierten Studie wurde diese Kontrolle 4 bis 8 Wochen nach der ersten Biopsie durchgeführt [5]. Die Leitlinie von 2026 sagt dazu sehr offen: Eine Kontrollbiopsie kann durchgeführt werden, obwohl die therapeutischen Konsequenzen unklar sind. Denn ob eine zweite Antibiotika-Runde bei fortbestehendem Befund die Fehlgeburtsrate senkt, ist nicht geklärt [1].
Die Kontrolle ist also vor allem dann sinnvoll, wenn vorher besprochen ist, was bei welchem Ergebnis passieren soll. Frag vor der zweiten Probe: Was machen wir, wenn sie wieder positiv ist, und was ändert sich, wenn sie unauffällig ist?
Ehrlich zur Evidenz
Die Entzündung lässt sich gut behandeln. Ob dadurch mehr Kinder geboren werden, ist eine andere Frage, und die ist offen. In der randomisierten Studie gab es bei den laufenden Schwangerschaften und Fehlgeburten keinen statistisch bedeutsamen Unterschied zwischen behandelten und unbehandelten Frauen; die Autorinnen und Autoren schreiben selbst, dass unklar ist, ob die Behandlung die Schwangerschaftsergebnisse verbessert [5]. Die deutsche Leitlinie hält fest, dass Auswertungen von Beobachtungsstudien für einen Nutzen sprechen, randomisierte Studien zur Bestätigung aber fehlen [1]. Die ESHRE fasst Übersichtsarbeiten mit widersprüchlichen Ergebnissen zusammen und betont, dass der fehlende Standard bei der Diagnose belastbare Schlüsse erschwert [2].
Das ist kein Grund, eine angebotene Untersuchung pauschal abzulehnen. Es ist aber ein Grund, sie bewusst zu entscheiden, im Rahmen einer vollständigen Abklärung wiederholter Fehlgeburten, wie wir sie im Beitrag Wiederholte Fehlgeburten: welcher Arzt? beschreiben. Immunologische Fragen, die oft im selben Zusammenhang aufkommen, ordnen wir im Beitrag Immunologie und Fehlgeburten ein.
Wann ein ärztliches Gespräch sinnvoll ist
Wenn dir eine Endometriumbiopsie angeboten wurde und du vorher klären möchtest, was mit dem Ergebnis passieren soll.
Wenn du einen CD138-Befund hast und nicht weißt, welche Grenze das Labor verwendet hat und wie dein Wert einzuordnen ist.
Wenn während oder nach der Antibiotika-Behandlung Beschwerden auftreten, etwa Hautausschlag, starke Übelkeit oder Schmerzen beim Schlucken.
Wenn nach der Entnahme Fieber, zunehmende Unterbauchschmerzen, übelriechender Ausfluss oder starke Blutungen auftreten.
Wenn du überlegst, ob eine Kontrollbiopsie oder ein zweiter Antibiotika-Durchgang für dich sinnvoll ist.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Welche Untersuchung und welche Behandlung für dich passen, hängt von deiner Vorgeschichte, den übrigen Befunden und deinen Wünschen ab und sollte gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt entschieden werden.
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Quellen
DGGG, OEGGG, SGGG. Diagnostik und Therapie von Frauen mit wiederholten Spontanaborten. S2k-Leitlinie, AWMF-Registernummer 015/050, Stand Mai 2026, gültig bis 31.05.2031. PDF
Cimadomo D, de los Santos MJ, Griesinger G et al. ESHRE good practice recommendations on recurrent implantation failure. Hum Reprod Open 2023;2023(3):hoad023. Volltext
Yakovlev P, Supranovich D, Yakovleva L et al. Chronic endometritis and recurrent implantation failure: a narrative review of clinical relevance and diagnostic challenges. Reprod Fertil 2026;7(2):RAF-25-0166. Volltext
Selmi C, Lazzarin S, Monari F et al. Timing of endometrial biopsy for chronic endometritis diagnosis: CD138+ and CD56+ cell variability throughout the menstrual cycle. Eur J Contracept Reprod Health Care 2026;31(2):149–157. Abstract
Song D, He Y, Wang Y et al. Impact of antibiotic therapy on the rate of negative test results for chronic endometritis: a prospective randomized control trial. Fertil Steril 2021;115(6):1549–1556. Abstract
Kitaya K, Matsubayashi H, Takaya Y et al. Live birth rate following oral antibiotic treatment for chronic endometritis in infertile women with repeated implantation failure. Am J Reprod Immunol 2017;78(5):e12719. Abstract
Terzic M, Aimagambetova G, Ukybassova T et al. Factors influencing on pain in patients undergoing Pipelle endometrial biopsy for abnormal uterine bleeding: why a personalized approach should be applied? J Pers Med 2022;12(3):431. Volltext
NHS. Doxycycline: antibiotic for bacterial infections. Stand September 2025. Volltext
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