Fruchtbare Tage & Eisprung berechnen: So findest du dein fruchtbares Fenster

Fruchtbare Tage & Eisprung berechnen: So findest du dein fruchtbares Fenster
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„Eisprung an Tag 14, fruchtbar von Tag 10 bis 17" – so steht es in vielen Ratgebern und so rechnen die meisten Zyklus-Apps. Das Problem: Eine prospektive Studie zeigte, dass nur bei rund 30 % der Frauen das fruchtbare Fenster tatsächlich vollständig in diesem Zeitraum lag [1].

Dieser Artikel erklärt, was das fruchtbare Fenster ist, wie lange es dauert, welche Methoden es zuverlässig eingrenzen und welche nicht – und welche Rolle die Häufigkeit von Sex dabei spielt.

Was die Berechnung fruchtbarer Tage kann – und was nicht

  • Was sie zeigt: einen groben Zeitraum. Das fruchtbare Fenster umfasst sechs Tage und endet am Tag des Eisprungs – schwanger wurden in der klassischen Untersuchung nur Frauen, die in diesem Zeitraum Sex hatten [2].

  • Was sie nicht zeigt: den Tag deines Eisprungs. Eine Untersuchung von 949 Frauen verglich Zyklus-Apps mit Ovulationstests aus dem Urin: Die Apps sagten den Eisprungtag mit einer Genauigkeit von höchstens 21 % voraus [3].

  • Wofür es trotzdem sinnvoll sein kann: Wer den Eisprung tatsächlich beobachtet – statt ihn zu berechnen – und den Sex danach ausrichtet, hat in Studien eine höhere Chance, in einem Zyklus schwanger zu werden [3].

  • Wichtig: Fruchtbarkeitswissen kann entlasten – oder Druck erzeugen. Die amerikanische Fachgesellschaft ASRM weist ausdrücklich darauf hin, dass manche Frauen diese Methoden als stärkend empfinden, andere als zusätzlichen Stress [3]. Bleibt eine Schwangerschaft aus, gehört das ärztlich abgeklärt – nicht länger optimiert.

Was das fruchtbare Fenster ist

Die ASRM definiert es so: das sechstägige Intervall, das am Tag des Eisprungs endet [3]. Diese Definition geht auf eine Untersuchung an 221 Frauen zurück, die den Zeitpunkt des Eisprungs über Hormonabbauprodukte im Urin bestimmten. Ergebnis: Schwangerschaften traten ausschließlich dann ein, wenn der Sex in diesen sechs Tagen stattfand. Die Wahrscheinlichkeit stieg von 0,10 fünf Tage vor dem Eisprung auf 0,33 am Tag des Eisprungs selbst [2].

Warum es fünf Tage vor und nicht danach sind, liegt an der Biologie: Spermien können im weiblichen Körper mehrere Tage überleben, die Eizelle nach dem Eisprung dagegen nur einige Stunden. Der Sex davor „wartet" also – der Sex danach kommt meist zu spät. Die ASRM formuliert es ähnlich: Die Wahrscheinlichkeit war am höchsten am Tag vor dem Eisprung und begann bereits am Tag des Eisprungs zu sinken [3].

Warum die Kalenderrechnung so oft danebenliegt

Die Kalendermethode geht davon aus, dass die zweite Zyklushälfte immer etwa 14 Tage dauert – der Eisprung wird deshalb bei einem 28-Tage-Zyklus auf Tag 14 gesetzt, bei einem 30-Tage-Zyklus auf Tag 16 und so weiter [3]. Der Denkfehler liegt darin, dass die Schwankung fast vollständig in der ersten Zyklushälfte steckt. In einer Auswertung von mehr als 600.000 Zyklen dauerte diese im Mittel 16,9 Tage – mit einer Spanne von 10 bis 30 Tagen [4]. Nur 13 % der Zyklen waren überhaupt exakt 28 Tage lang [4].

Entsprechend groß ist die Streuung des fruchtbaren Fensters. In der prospektiven Untersuchung von Wilcox und Kollegen lag es nur bei etwa 30 % der Frauen vollständig zwischen Zyklustag 10 und 17. Frauen mit regelmäßigen Zyklen hatten zwischen Tag 6 und Tag 21 an jedem einzelnen Tag eine Wahrscheinlichkeit von mindestens 10 %, fruchtbar zu sein – und 4 bis 6 % waren sogar in der fünften Zykluswoche noch fruchtbar [1]. Die ASRM beziffert die Chance auf eine klinische Schwangerschaft aus einem einzelnen Geschlechtsverkehr mit 3,2 % an Zyklustag 8, 9,4 % an Tag 12 und unter 2 % an Tag 21 [3]. Mehr zum Aufbau des Zyklus im Beitrag Der weibliche Zyklus und seine Phasen.

Welche Methoden wirklich helfen

Ovulationstests aus dem Urin

Diese Tests messen LH – das luteinisierende Hormon, dessen steiler Anstieg den Eisprung auslöst. Zahlreiche Studien haben bestätigt, dass sich dieser Anstieg damit zuverlässig nachweisen lässt. Zwei Einschränkungen nennt die ASRM: Der Eisprung kann jederzeit innerhalb der folgenden zwei Tage stattfinden, und in etwa 7 % der Zyklen ist der Test positiv, ohne dass ein Eisprung folgt [3]. Ein positiver Test markiert also ein Zeitfenster von rund zwei Tagen, keinen Zeitpunkt. In einer randomisierten Studie verkürzte der Einsatz solcher Tests die Zeit bis zur Schwangerschaft [3].

Der Schleim am Muttermund

Die einfachste und günstigste Methode – und eine überraschend gute. Die Menge des Zervixschleims nimmt mit steigendem Östradiol in den fünf bis sechs Tagen vor dem Eisprung zu und erreicht zwei bis drei Tage davor ihr Maximum [3]. Die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis ist am höchsten, wenn der Schleim klar und gleitfähig ist – wobei solcher Schleim keine Voraussetzung für eine Schwangerschaft ist [3].

In einer Auswertung von 1.681 Zyklen lagen die Schwangerschaftsraten am Tag des Schleimhöhepunkts bei etwa 38 % und am Tag davor oder danach nur noch bei 15 bis 20 % [3]. Eine große Untersuchung kam zu dem Schluss, dass Schleimbeobachtung die tagesgenaue Empfängniswahrscheinlichkeit ebenso gut oder besser vorhersagt als die Aufwachtemperatur oder LH-Tests im Urin [3].

Die Aufwachtemperatur

Die Basaltemperatur – gemessen direkt nach dem Aufwachen – steigt nach dem Eisprung leicht an. Das ist verlässlich, aber es kommt zu spät: Der Anstieg zeigt rückblickend, dass ein Eisprung stattgefunden hat. Als Methode, um das fruchtbare Fenster im laufenden Zyklus zu treffen, ist sie deshalb wenig geeignet. Für den rückblickenden Überblick über mehrere Zyklen kann sie hilfreich sein.

Apps

Apps können nützlich sein, um das eigene Zyklusmuster über die Zeit kennenzulernen. Für die Vorhersage des Eisprungtags sind sie es nicht: Die ASRM verweist auf die genannte Untersuchung mit einer maximalen Genauigkeit von 21 % und nennt als grundlegendes Problem, dass diese Vorhersagen davon ausgehen, Zeitpunkt und Dauer des fruchtbaren Fensters seien gleichbleibend und von der Zykluslänge abhängig – obwohl bekannt ist, dass Zyklen deutlich variabler sind [3].

Wie oft Sex – und warum die Antwort entlastet

Die ASRM fasst es so zusammen: Häufiger Sex – alle ein bis zwei Tage – während des fruchtbaren Fensters führt zu den höchsten Schwangerschaftsraten; die Ergebnisse bei geringerer Häufigkeit sind aber nur wenig schlechter [3]. In einer Studie war die Wahrscheinlichkeit pro Zyklus ähnlich, ob täglich, jeden zweiten oder sogar jeden dritten Tag Sex stattfand – am niedrigsten war sie nur, wenn es im ganzen fruchtbaren Fenster nur ein einziges Mal war [3].

Ausdrücklich hält die ASRM fest, dass konkrete Vorgaben zur Häufigkeit unnötigen Stress im Paar auslösen können [3]. Ein weit verbreiteter Irrglaube wird dort ebenfalls klargestellt: Häufige Ejakulationen verringern die männliche Fruchtbarkeit nicht; Enthaltsamkeitsphasen von mehr als fünf Tagen können die Spermienzahl sogar ungünstig beeinflussen [3].

Was realistische Erwartungen sind

Etwa 80 % der Paare werden in den ersten sechs Monaten schwanger, in denen sie es versuchen; die monatliche Wahrscheinlichkeit ist in den ersten drei Monaten am höchsten und nimmt danach allmählich ab [3]. Es ist also normal, dass es nicht im ersten Zyklus klappt.

Von Unfruchtbarkeit spricht man, wenn nach zwölf Monaten regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft eingetreten ist. Ab 35 Jahren ist eine Abklärung bereits nach sechs Monaten gerechtfertigt, weil die Fruchtbarkeit altersbedingt abnimmt [3]. Überblick über diese Lebensphase: Kinderwunsch & Verlust.

Wenn du wissen willst, ob überhaupt ein Eisprung stattfindet

Dafür gibt es einen einfachen Bluttest. Die deutsche Leitlinie empfiehlt: „Der Nachweis eines ovulatorischen Zyklus kann durch eine einmalige Progesteron-Bestimmung ca. 7 Tage nach vermuteter Ovulation (z. B. um den 21. Tag in einem 28-tägigen Zyklus) erfolgen." [5] Bei längeren Zyklen verschiebt sich dieser Tag entsprechend nach hinten.

Ein Hinweis der Leitlinie zu den Selbstmethoden: Aufwachtemperatur, Schleimbeobachtung und der Nachweis eines LH-Anstiegs ermöglichen zwar eine Beurteilung des Zyklus ohne Blutuntersuchung – verlässliche Studien zu ihrem Einsatz speziell bei Unfruchtbarkeit fehlen jedoch [5]. Für die Frage „findet ein Eisprung statt?" bleibt die Progesteronbestimmung deshalb der Standard. Wie eine Blutentnahme zuhause abläuft, erklären wir unter Bluttests erklärt. Welche Werte sonst dazugehören, liest du unter Hormonstatus bei der Frau bestimmen.

Wann ein ärztliches Gespräch sinnvoll ist

  • Wenn du seit mehr als zwölf Monaten (ab 35 Jahren: sechs Monaten) ohne Erfolg versuchst, schwanger zu werden.

  • Wenn dein Zyklus kürzer als 24 oder länger als 38 Tage ist oder stark schwankt.

  • Wenn Ovulationstests über mehrere Zyklen hinweg nie positiv werden.

  • Wenn bei dir oder deinem Partner Vorerkrankungen bekannt sind, die die Fruchtbarkeit beeinflussen können.

  • Wenn das Thema euch als Paar belastet – dafür braucht es keinen auffälligen Befund.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Ein Selbsttest ist kein Diagnoseinstrument: Er liefert einen Messwert, der gemeinsam mit deinem Zyklus, deiner Vorgeschichte und gegebenenfalls einem Ultraschall ärztlich eingeordnet werden muss.

Passend dazu

Quellen

  1. Wilcox AJ, Dunson D, Baird DD. The timing of the „fertile window“ in the menstrual cycle: day specific estimates from a prospective study. BMJ 2000;321(7271):1259–1262. Volltext

  2. Wilcox AJ, Weinberg CR, Baird DD. Timing of Sexual Intercourse in Relation to Ovulation – Effects on the Probability of Conception, Survival of the Pregnancy, and Sex of the Baby. New England Journal of Medicine 1995;333(23):1517–1521. DOI 10.1056/NEJM199512073332301. Volltext

  3. Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine and the Society for Reproductive Endocrinology and Infertility. Optimizing natural fertility: a committee opinion. Fertility and Sterility 2022;117(1):53–63. DOI 10.1016/j.fertnstert.2021.10.007. PDF

  4. Bull JR, Rowland SP, Berglund Scherwitzl E, Scherwitzl R, Gemzell Danielsson K, Harper J. Real-world menstrual cycle characteristics of more than 600,000 menstrual cycles. npj Digital Medicine 2019;2:83. DOI 10.1038/s41746-019-0152-7. Volltext

  5. Diagnostik und Therapie vor einer assistierten reproduktionsmedizinischen Behandlung. S2k-Leitlinie, AWMF-Registernummer 015/085, Stand Februar 2019, Version 1.0 (Gültigkeit abgelaufen, Leitlinie in Überarbeitung). Empfehlung 3.7.E27. PDF

Zykluswerte bestimmen und ärztlich einordnen lassen

Ob in deinem Zyklus ein Eisprung stattfindet, lässt sich mit einer Progesteronbestimmung in der zweiten Zyklushälfte prüfen. Du kannst diesen und weitere Werte mit Fertia bestimmen und anschließend ärztlich einordnen lassen – gemeinsam mit deinem Zyklus und deiner Vorgeschichte.

Medizinisch geprüfter Inhalt

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