Gebärmutter: Aufbau, Funktion und Varianten

Gebärmutter-Anatomie
Gebärmutter-Anatomie
Gebärmutter-Anatomie
Date

Category
Reading Time

8 Min. Lesezeit

Die Gebärmutter ist ein etwa birnengroßes Hohlorgan – und zugleich eines der wandlungsfähigsten des Körpers. Sie verändert sich in jedem Zyklus, dehnt sich in der Schwangerschaft um ein Vielfaches und bildet sich danach wieder zurück. Wer verstehen möchte, warum bei Kinderwunsch oder nach Fehlgeburten ein Ultraschall der Gebärmutter dazugehört, findet hier die Grundlagen.

Dieser Artikel erklärt Aufbau und Funktion, ordnet ein, wie häufig angeborene Varianten wirklich sind, und zeigt an einem Beispiel, warum ein auffälliger Befund nicht automatisch eine Operation nach sich zieht. Fachbegriffe erklären wir beim ersten Vorkommen; alle Aussagen sind am Ende mit Quellen belegt.

Der Aufbau: vier Abschnitte

Von oben nach unten gliedert sich die Gebärmutter – medizinisch Uterus – in vier Bereiche:

  • Fundus uteri, der Gebärmuttergrund: der obere, gewölbte Teil. Hier münden rechts und links die Eileiter ein.

  • Corpus uteri, der Gebärmutterkörper: der Hauptteil mit der eigentlichen Gebärmutterhöhle. Hier nistet sich ein Embryo ein.

  • Isthmus uteri: der schmale Übergang zwischen Körper und Hals.

  • Cervix uteri, der Gebärmutterhals: die Verbindung zur Scheide. Sein unteres Ende ist der Muttermund, den die Frauenärztin bei der Untersuchung sieht.

Die drei Wandschichten

  • Endometrium – die Gebärmutterschleimhaut. Die innerste Schicht. Sie baut sich in jedem Zyklus auf, wird bei ausbleibender Schwangerschaft abgestoßen (das ist die Regelblutung) und ist der Ort, an dem sich ein Embryo einnistet.

  • Myometrium – die Muskelschicht. Die dicke mittlere Schicht aus glatter Muskulatur. Sie zieht sich bei der Regelblutung zusammen (daher der krampfartige Charakter von Regelschmerzen) und leistet bei der Geburt die Wehenarbeit.

  • Perimetrium – der Überzug. Die äußere, glatte Hülle, die die Gebärmutter zum Bauchraum hin abgrenzt.

Schematische Darstellung der Gebärmutter mit Gebärmutterkörper, Gebärmutterhals, Eileitern und Eierstöcken

Was im Zyklus passiert

In der ersten Zyklushälfte lässt das Hormon Östradiol die Schleimhaut wachsen. Nach dem Eisprung wandelt Progesteron sie um, sodass sie einen Embryo aufnehmen könnte. Bleibt eine Schwangerschaft aus, fallen beide Hormone ab und die Schleimhaut wird abgestoßen. Wie sich diese Phasen anfühlen und welcher Wert wann aussagekräftig ist, liest du unter Zyklusphasen.

Was die Gebärmutter in der Schwangerschaft leistet

Kein anderes Organ verändert seine Größe im Erwachsenenalter so stark. Aus dem birnengroßen Hohlraum wird bis zum Ende der Schwangerschaft ein Organ, das bis unter den Rippenbogen reicht – möglich wird das vor allem dadurch, dass die Muskelzellen der mittleren Wandschicht wachsen und sich vermehren.

Gleichzeitig bleibt diese Muskulatur während der Schwangerschaft weitgehend ruhig gestellt; erst zum Geburtszeitpunkt hin wird sie erregbar und arbeitet in koordinierten Wehen. Nach der Geburt bildet sich die Gebärmutter innerhalb weniger Wochen wieder zurück. Wie dieser Prozess im Wochenbett abläuft, beschreiben wir unter Wochenbett.

Wie die Gebärmutter entsteht – und welche Varianten es gibt

In der frühen Entwicklung im Mutterleib entsteht die Gebärmutter aus zwei paarigen Anlagen, den sogenannten Müller-Gängen. Sie wachsen aufeinander zu, verschmelzen und die trennende Wand zwischen ihnen bildet sich zurück – am Ende bleibt ein einziger Hohlraum. Läuft einer dieser Schritte unvollständig ab, entsteht eine Formvariante.

Die europäischen Fachgesellschaften ESHRE und ESGE haben dafür eine gemeinsame Einteilung erarbeitet, die von U0 (normal geformt) bis U6 (nicht klassifizierbar) reicht [1]. Die wichtigsten Formen in einfachen Worten:

Bezeichnung

Was gemeint ist

Uterus arcuatus

leichte Einbuchtung am Gebärmuttergrund – meist ohne Krankheitswert

Uterus septus

eine Trennwand ragt in den Hohlraum hinein; die äußere Form ist normal

Uterus bicornis

zwei getrennte „Hörner“ – auch die äußere Form ist eingekerbt

Uterus unicornis

nur eine Seite ist vollständig angelegt

Wie häufig sind solche Varianten?

Eine Auswertung von 94 Studien mit fast 90.000 Frauen liefert dazu belastbare Zahlen [2]:

  • 5,5 % in der Allgemeinbevölkerung

  • 8,0 % bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch

  • 24,5 % bei Frauen, die sowohl Fehlgeburten als auch unerfüllten Kinderwunsch erlebt haben

In der Allgemeinbevölkerung ist der Uterus arcuatus die häufigste Form; in den Risikogruppen ist es der Uterus septus [2]. Wichtig für die Einordnung: Ein großer Teil dieser Befunde bleibt lebenslang unbemerkt und ohne Folgen.

Das Septum: ein lehrreiches Beispiel

Lange galt als selbstverständlich, dass eine Trennwand in der Gebärmutter operativ entfernt wird – ein kurzer Eingriff über eine Gebärmutterspiegelung. Die Annahme klang plausibel: weniger Trennwand, bessere Einnistung.

Eine internationale Studie an zehn Zentren hat diese Annahme geprüft. 80 Frauen mit einem Uterus septus wurden per Zufall entweder operiert oder zunächst abwartend begleitet. Nach zwölf Monaten hatten 31 % der operierten und 35 % der nicht operierten Frauen ein Kind geboren – kein Vorteil für die Operation [3]. Bei einer Frau kam es zudem zu einer Verletzung der Gebärmutterwand während des Eingriffs [3].

Die europäische Leitlinie zu wiederholten Fehlgeburten hat diesen Befund übernommen: Sie stuft die Entfernung einer Trennwand zur Senkung des Fehlgeburtsrisikos nur als bedingte Empfehlung auf sehr niedriger Evidenzstufe ein [4]. Das heißt nicht, dass nie operiert wird – es heißt, dass die Entscheidung individuell und gut begründet fallen muss.

Erworbene Veränderungen

Neben angeborenen Formen verändert sich die Gebärmutter im Lauf des Lebens:

  • Myome sind gutartige Knoten aus Muskelgewebe. Sie sind häufig und oft völlig harmlos. Ob sie stören, hängt vor allem von ihrer Lage ab: Myome, die in die Gebärmutterhöhle hineinragen, können Blutungen verstärken oder die Einnistung beeinträchtigen; Myome in der Außenwand meist nicht.

  • Polypen sind Ausstülpungen der Schleimhaut. Sie können Zwischenblutungen verursachen und werden bei Beschwerden über eine Gebärmutterspiegelung entfernt.

  • Adenomyose bedeutet, dass Schleimhautgewebe in die Muskelschicht einwächst. Die europäische Leitlinie zu wiederholten Fehlgeburten hält fest, dass ein Ultraschall zum Ausschluss einer Adenomyose erwogen werden kann [4]. Verwandt damit ist die Endometriose, bei der solches Gewebe außerhalb der Gebärmutter liegt.

  • Verwachsungen können nach Eingriffen an der Gebärmutter entstehen und die Höhle teilweise verkleben. Sie äußern sich oft durch eine schwächer werdende oder ausbleibende Regelblutung.

Wie die Gebärmutter untersucht wird

  • Ultraschall über die Scheide. Der Standard: schmerzarm, ohne Strahlung, direkt in der Sprechstunde. Beurteilt werden Form, Schleimhautdicke und Auffälligkeiten wie Myome.

  • 3D-Ultraschall. Erzeugt ein räumliches Bild der Gebärmutterhöhle und erlaubt, die äußere und innere Kontur zu vergleichen – genau das unterscheidet einen Uterus septus von einem Uterus bicornis [1].

  • Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie). Eine dünne Optik wird über die Scheide und den Gebärmutterhals eingeführt. Als „Office-Hysteroskopie“ läuft sie ambulant und ohne Narkose und dient der Beurteilung; als operative Hysteroskopie in Narkose lassen sich Polypen, Myome oder eine Trennwand behandeln.

  • Magnetresonanztomografie (MRT). Bleibt komplexen Fragestellungen vorbehalten, etwa wenn zusätzlich die Nieren und Harnwege mitbeurteilt werden sollen – sie entstehen entwicklungsgeschichtlich in enger Nachbarschaft.

Wann ein ärztliches Gespräch sinnvoll ist

  • Wenn deine Regelblutung deutlich stärker, länger oder schmerzhafter geworden ist.

  • Wenn Zwischenblutungen auftreten oder die Blutung nach einem Eingriff schwächer geworden ist oder ausbleibt.

  • Wenn du zwei oder mehr Fehlgeburten erlebt hast.

  • Wenn du seit mehr als zwölf Monaten (ab 35 Jahren: sechs Monaten) ohne Erfolg versuchst, schwanger zu werden.

  • Wenn dir zu einem Befund eine Operation empfohlen wurde und du den Nutzen im Verhältnis zum Risiko verstehen möchtest.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Ein Ultraschallbefund ist keine Diagnose: Was er in deiner Situation bedeutet, ergibt sich erst gemeinsam mit deinen Beschwerden und deiner Vorgeschichte.

Passend dazu

Quellen

  1. Grimbizis GF, Gordts S, Di Spiezio Sardo A et al. The ESHRE/ESGE consensus on the classification of female genital tract congenital anomalies. Human Reproduction 2013;28(8):2032–2044. DOI 10.1093/humrep/det098. Volltext

  2. Chan YY, Jayaprakasan K, Zamora J, Thornton JG, Raine-Fenning N, Coomarasamy A. The prevalence of congenital uterine anomalies in unselected and high-risk populations: a systematic review. Human Reproduction Update 2011;17(6):761–771. DOI 10.1093/humupd/dmr028. Volltext

  3. Rikken JFW, Kowalik CR, Emanuel MH et al. Septum resection versus expectant management in women with a septate uterus: an international multicentre open-label randomized controlled trial. Human Reproduction 2021;36(5):1260–1267. DOI 10.1093/humrep/deab037. Volltext

  4. ESHRE Guideline Group on RPL. ESHRE guideline: recurrent pregnancy loss – an update in 2022. Human Reproduction Open 2023;2023(1):hoad002. DOI 10.1093/hropen/hoad002. Volltext

Befunde ärztlich einordnen lassen

Veränderungen der Gebärmutter lassen sich nicht im Blut messen – sie werden im Ultraschall oder bei einer Gebärmutterspiegelung sichtbar. In der ärztlichen Online-Sprechstunde von Fertia kannst du einen vorliegenden Befund besprechen und ärztlich einordnen lassen, bevor über weitere Schritte entschieden wird.

Medizinisch geprüfter Inhalt

Share Article

You might like

Das Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS)

PCOS (jetzt PMOS): Symptome, Diagnose und Blutwerte

Das Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS)

PCOS (jetzt PMOS): Symptome, Diagnose und Blutwerte

Das Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS)

PCOS (jetzt PMOS): Symptome, Diagnose und Blutwerte

Eizellreserve

Eizellreserve: was AMH und Follikelzahl aussagen

Eizellreserve

Eizellreserve: was AMH und Follikelzahl aussagen

Eizellreserve

Eizellreserve: was AMH und Follikelzahl aussagen

Ernährung und Fruchtbarkeit

Ernährung und Fruchtbarkeit

Ernährung und Fruchtbarkeit

Ernährung und Fruchtbarkeit

Ernährung und Fruchtbarkeit

Ernährung und Fruchtbarkeit