Endometriose: Symptome erkennen und richtig abklären

Endometriose: Symptome erkennen, Ursachen verstehen, richtig abklären
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Regelschmerzen, die den Alltag lahmlegen. Schmerzen beim Sex. Beschwerden beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang, die immer zur selben Zeit im Zyklus auftreten. Und oft jahrelang die Antwort: „Das ist bei manchen Frauen eben so.“

Dieser Artikel erklärt, welche Beschwerden laut Leitlinien an eine Endometriose denken lassen, wie die Abklärung heute abläuft – und warum es entgegen vieler Werbeversprechen keinen Bluttest gibt, mit dem sich eine Endometriose feststellen lässt.

Was Endometriose ist

Bei einer Endometriose siedelt sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutterhöhle an – etwa am Bauchfell, an den Eierstöcken, an den Haltebändern der Gebärmutter, am Darm oder an der Blase. Es handelt sich um eine chronische entzündliche Erkrankung, die fast ausschließlich im geschlechtsreifen Alter auftritt und familiär gehäuft vorkommt [3].

Zur Häufigkeit kursieren sehr unterschiedliche Zahlen, und das hat einen Grund. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass rund 10 % der Frauen im gebärfähigen Alter weltweit betroffen sind – etwa 190 Millionen [1]. Die deutsche Leitlinie hält dagegen ausdrücklich fest, dass eine belastbare Abschätzung von Häufigkeit und Neuerkrankungsrate wegen der methodischen Unterschiede der Studien gar nicht möglich ist; aus deutschen Abrechnungsdaten ergeben sich Jahresprävalenzen von 0,53 % (2010) bis 0,66 % (2019) [3]. Die europäische Fachgesellschaft nennt eine Spanne von 2 bis 10 % [2]. Die 10 % sind also eine Schätzung, keine gemessene Größe.

Diese Beschwerden lassen an Endometriose denken

Die deutsche Leitlinie nennt fünf Leitsymptome, die bei der gynäkologischen Anamnese erfasst werden sollen [3]. In Alltagssprache übersetzt:

  • Starke Regelschmerzen (Dysmenorrhoè) – Schmerzen, die über das gewohnte Maß hinausgehen und den Alltag einschränken.

  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie), typischerweise bei tiefer Penetration.

  • Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie).

  • Schmerzen beim Stuhlgang (Dyschezie).

  • Unerfüllter Kinderwunsch (Sterilität) – manchmal das erste auffällige Zeichen.

Dazu kommen unspezifische Beschwerden wie chronische Unterbauchschmerzen [3]. Weniger bekannt, aber ebenfalls in den Leitlinien aufgeführt: Blut im Stuhl oder im Urin, zyklische Schulterschmerzen, zyklischer Husten oder Brustschmerz, zyklische Schwellung und Schmerzen in einer Narbe sowie ausgeprägte Erschöpfung [2, 3]. Das Wort „zyklisch“ ist hier der entscheidende Hinweis: Beschwerden, die regelmäßig zur selben Zyklusphase auftreten, gehören abgeklärt.

Warum die Diagnose oft Jahre dauert

Eine Untersuchung an 171 Patientinnen in Österreich und Deutschland fand vom ersten Symptom bis zur gesicherten Diagnose eine mittlere Dauer von 10,4 Jahren; 74 % der Betroffenen hatten zuvor mindestens eine Fehldiagnose erhalten [5]. Die deutsche Leitlinie übernimmt daraus die Größenordnung von rund zehn Jahren [3], die Weltgesundheitsorganisation nennt weltweit 4 bis 12 Jahre [1].

Ein Grund liegt in der Sache selbst: Wie viele oder wie große Herde vorliegen, sagt wenig darüber aus, wie stark die Beschwerden sind. Eine Auswertung von über 1.000 Patientinnen fand einen Zusammenhang zwischen Krankheitsstadium und Schmerzstärke nur für einzelne Beschwerden und bezeichnete ihn selbst als geringfügig und uneinheitlich [6]. Die deutsche Leitlinie hält entsprechend fest, dass die gebräuchlichen Klassifikationen Schmerz und Sterilität gar nicht abbilden und den Krankheitsverlauf nicht vorhersagen [3].

Wie die Abklärung heute abläuft

Das Gespräch

Am Anfang steht die genaue Erhebung der Beschwerden – inklusive der Frage, ob Endometriose bei Verwandten ersten Grades bekannt ist, denn das erhöht die Wahrscheinlichkeit [4].

Ultraschall zuerst, MRT als Ergänzung

Die transvaginale Sonographie – ein Ultraschall über die Scheide – sollte standardmäßig als erstes bildgebendes Verfahren eingesetzt werden. Ein MRT (Magnetresonanztomographie, eine Schnittbilduntersuchung ohne Röntgenstrahlen) kommt ergänzend in zweiter Linie zum Einsatz, wenn der Ultraschall allein nicht aussagekräftig genug ist [3]. Die britische Leitlinie empfiehlt einen transvaginalen Ultraschall für alle Betroffenen mit Verdacht, selbst wenn die Tastuntersuchung unauffällig war [4].

Entscheidend für die Einordnung: Ein unauffälliger Befund schließt eine Endometriose nicht aus, besonders nicht bei oberflächlichen Herden am Bauchfell [2, 4].

Die Nieren mit anschauen

Ein Punkt, der in Patientinnentexten oft fehlt: Bei Verdacht auf tief infiltrierende oder ovarielle Endometriose soll eine beidseitige Nierensonographie erfolgen [3]. Hintergrund ist, dass eine Beteiligung der Harnleiter zu einem Harnstau führen kann – mit einem Risiko für Nierenschädigung, das die Leitlinie mit 25 bis 50 % der Fälle beziffert [3]. Diese Untersuchung ist schmerzlos und dauert wenige Minuten.

Bauchspiegelung: nicht mehr automatisch der erste Schritt

Lange galt die Bauchspiegelung (Laparoskopie) mit Gewebeentnahme als unverzichtbarer Goldstandard. Die europäische Leitlinie von 2022 hat das geändert: Sie empfiehlt eine Laparoskopie zur Diagnose vor allem dann, wenn die Bildgebung unauffällig war und eine probeweise begonnene Behandlung nicht gewirkt hat oder nicht infrage kommt [2]. Damit kann eine Behandlung beginnen, ohne dass zuvor operiert werden muss.

Die deutsche Leitlinie argumentiert ähnlich: Der positiv vorhersagende Wert von Ultraschall und MRT sei bei auffälligem Befund so hoch, dass die feingewebliche Sicherung in den Hintergrund tritt [3]. Die britische Leitlinie ist an dieser Stelle zurückhaltender und hält eine Laparoskopie auch bei unauffälligem Ultraschall oder MRT für erwägenswert [4]. „Die Bauchspiegelung ist abgeschafft“ wäre also die falsche Zusammenfassung – sie ist nicht mehr der automatische erste Schritt.

Warum es keinen Endometriose-Bluttest gibt

Diese Frage wird uns häufig gestellt, und die Antwort ist in allen drei maßgeblichen Leitlinien identisch und ungewöhnlich deutlich. Die deutsche Leitlinie stellt fest, dass Biomarker – unabhängig von der feingeweblichen Untersuchung – nicht für die Diagnose einer Endometriose geeignet sind; für den Tumormarker CA-125 sei die Spezifität unzureichend, dasselbe gelte für CA 19-9 [3]. Die europäische Fachgesellschaft empfiehlt ausdrücklich, keine Biomarker in Blut, Gebärmutterschleimhaut, Menstruations- oder Gebärmutterflüssigkeit zur Diagnose zu verwenden [2]. Die britische Leitlinie formuliert es als klare Negativempfehlung zu CA-125 [4].

Wir sagen das hier so deutlich, weil derzeit Selbsttests aus Speichel oder Menstruationsblut beworben werden. Die Weltgesundheitsorganisation führt solche Verfahren als in Entwicklung befindlich auf [1] – sie sind keine validierten Diagnoseinstrumente. Auch ein Hormonstatus kann eine Endometriose weder feststellen noch ausschließen. Was ein Hormonstatus tatsächlich zeigt, erklären wir im Beitrag Hormonstatus bei der Frau bestimmen.

Endometriose und Kinderwunsch

Unter Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch ist Endometriose häufig: Die Weltgesundheitsorganisation nennt 25 bis 50 % [1], die europäische und die deutsche Leitlinie sprechen von bis zu 50 % [2, 3]. Diese Zahlen stammen aus ausgewählten Gruppen von Frauen, die bereits wegen Unfruchtbarkeit in Behandlung waren – sie sind eine Obergrenze, kein Durchschnitt.

Wichtig zu wissen: Für keine der hormonellen Behandlungsformen konnte ein positiver Effekt auf die Fruchtbarkeit nachgewiesen werden [3]. Umgekehrt hat eine hormonelle Behandlung der Schmerzen keinen dauerhaften negativen Effekt auf die spätere Fruchtbarkeit [4]. Mehr zu dieser Lebensphase findest du unter Kinderwunsch & Verlust.

Was behandelt werden kann

Eine ursächliche Behandlung gibt es nicht, weil die Entstehung der Erkrankung nicht geklärt ist [1, 3]. Behandelt werden deshalb die Beschwerden:

  • Schmerzmittel: bei nozizeptivem Schmerz – also Schmerz durch Gewebereizung – sollten entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) eingesetzt werden [3]. Die britische Leitlinie schlägt dafür zunächst einen begrenzten Versuch über etwa drei Monate vor [4].

  • Hormonelle Behandlung: Die deutsche Leitlinie nennt als erste Wahl ein geeignetes Gestagen – etwa Dienogest – oder einen oral verfügbaren GnRH-Antagonisten; kombinierte Pillen und weitere Gestagene folgen in zweiter Linie [3]. Die britische Leitlinie nennt die Kombinationspille dagegen bereits als Beispiel der Erstlinie [4]. Hier unterscheiden sich die Leitlinien.

  • Operation: Standardmethode ist die minimalinvasive Chirurgie, also die Schlüssellochtechnik [3]. Treten nach einer Operation erneut Beschwerden auf, soll zunächst medikamentös behandelt werden, bevor erneut operiert wird [3].

Wann ein ärztliches Gespräch sinnvoll ist

  • Wenn Regelschmerzen deinen Alltag einschränken oder Schmerzmittel nicht ausreichend wirken.

  • Wenn Schmerzen beim Sex, beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang auftreten – besonders, wenn sie zyklisch wiederkehren.

  • Wenn Blut im Stuhl oder Urin, zyklische Schulterschmerzen oder zyklischer Husten auftreten [2].

  • Wenn du seit längerem vergeblich versuchst, schwanger zu werden.

  • Wenn eine bereits begonnene Behandlung nicht wirkt, nicht vertragen wird oder die Beschwerden wiederkehren [4].

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Ein Selbsttest ist kein Diagnoseinstrument – und für die Endometriose gibt es, anders als bei Hormonwerten, gar keinen aussagekräftigen Labortest.

Passend dazu

Quellen

  1. World Health Organization. Endometriosis. Fact sheet, Stand 15. Oktober 2025. Zur Seite

  2. Becker CM, Bokor A, Heikinheimo O et al. ESHRE guideline: endometriosis. Human Reproduction Open 2022;2022(2):hoac009. DOI 10.1093/hropen/hoac009. Volltext

  3. DGGG, SGGG, OEGGG. Diagnostik und Therapie der Endometriose. S2k-Leitlinie, AWMF-Registernummer 015/045, Version 5.1, Stand März 2025, gültig bis 31.03.2030. PDF

  4. National Institute for Health and Care Excellence. Endometriosis: diagnosis and management. NICE guideline NG73, veröffentlicht 6. September 2017, zuletzt aktualisiert 11. November 2024. Zur Leitlinie

  5. Hudelist G, Fritzer N, Thomas A et al. Diagnostic delay for endometriosis in Austria and Germany: causes and possible consequences. Human Reproduction 2012;27(12):3412–3416. DOI 10.1093/humrep/des316.

  6. Vercellini P, Fedele L, Aimi G et al. Association between endometriosis stage, lesion type, patient characteristics and severity of pelvic pain symptoms: a multivariate analysis of over 1000 patients. Human Reproduction 2007;22(1):266–271. DOI 10.1093/humrep/del339.

Beschwerden ärztlich einordnen lassen

Einen Bluttest auf Endometriose gibt es nicht – die Abklärung läuft über Gespräch und Bildgebung. In der ärztlichen Online-Sprechstunde von Fertia kannst du deine Beschwerden schildern und die nächsten Schritte ärztlich einordnen lassen.

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