Schwangerschaftstest nach IVF und ICSI: Wann testen – und wie sicher ist das Ergebnis?

Kalender und Tasse auf einem Tisch im Morgenlicht als Symbol für die Wartezeit
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Einen Schwangerschaftstest nach IVF oder ICSI machst du am besten an dem Tag, den dir deine Kinderwunschklinik nennt: Dann ist ein Bluttest auf das Schwangerschaftshormon hCG (humanes Choriongonadotropin) aussagekräftig. Rechnerisch entspricht das etwa Tag 9 nach einem Blastozystentransfer oder Tag 11 nach einem Transfer am dritten Tag; frühere Tests können sowohl falsch negativ als auch, durch die Auslösespritze, falsch positiv sein.

Die Tage nach dem Transfer gehören für viele zu den schwersten der ganzen Behandlung. Der Wunsch, früher Gewissheit zu haben, ist völlig verständlich. Dieser Beitrag erklärt, warum der Zeitpunkt so wichtig ist, wann ein Urintest reicht, wann nicht, und was ein niedriger oder langsam steigender Wert bedeuten kann.

Was ein früher Test kann – und was nicht

  • Was er zeigt: ob zum Testzeitpunkt hCG im Urin oder Blut nachweisbar ist. Nach einer Auslösespritze mit hCG kann das auch noch Hormon aus der Spritze sein [2].

  • Was er nicht zeigt: ob sich eine Schwangerschaft weiterentwickelt, wo sie sitzt und ob sie intakt ist. Dafür braucht es Verlaufswerte und später einen Ultraschall [4, 7].

  • Wofür er sinnvoll sein kann: als Bluttest am vereinbarten Tag zur Bestätigung einer frühen Schwangerschaft, und bei Bedarf als zweiter Wert, um den Verlauf einzuschätzen [4, 5].

Wann testen nach Blastozysten- oder Tag-3-Transfer?

Damit hCG messbar wird, muss sich der Embryo erst in der Gebärmutterschleimhaut einnisten. Bei natürlich entstandenen Schwangerschaften zeigte eine große Studie, dass hCG im Urin 6 bis 12 Tage nach dem Eisprung erstmals auftauchte, bei den meisten erfolgreichen Schwangerschaften am Tag 8, 9 oder 10 [1]. Diese Rechnung lässt sich auf die Kinderwunschbehandlung übertragen, wenn man das Alter des Embryos beim Transfer berücksichtigt:


Transfer am Tag 3

Blastozystentransfer (Tag 5)

Alter des Embryos beim Transfer

3 Tage

5 Tage

Einnistung, übertragen auf die Werte aus [1]

etwa 3 bis 9 Tage nach Transfer

etwa 1 bis 7 Tage nach Transfer

„Tag 14“ des Embryos, also etwa der Tag, an dem sonst die Periode ausbleiben würde

Tag 11 nach Transfer

Tag 9 nach Transfer

Die Tabelle ist eine Orientierung, kein Testplan. Kliniken legen den Termin unterschiedlich fest: In einer österreichischen Studie mit Blastozystentransfers wurde das hCG am Tag 14 nach dem Transfer bestimmt [4], der britische Gesundheitsdienst NHS nennt einen Test etwa 16 Tage nach dem Transfer [3]. Halte dich an den Tag, den deine Klinik dir gibt, denn er passt zu deren Ablauf und zu deren Laborwerten.

Falsch positiv durch die Auslösespritze

Bei vielen Behandlungen wird der Eisprung beziehungsweise die letzte Reifung der Eizellen mit einer Spritze ausgelöst, die hCG enthält. Genau dieses Hormon misst auch der Schwangerschaftstest. Er kann nicht unterscheiden, ob das hCG aus der Spritze oder von einer Schwangerschaft stammt.

Wie lange das dauert, wurde schon früh untersucht: Nach der Auslösespritze war hCG im Blut bis zu 14 Tage lang nachweisbar. Die Menge halbierte sich im Schnitt etwa alle 2,3 Tage, und bei Frauen, die nicht schwanger wurden, lag der Wert am Tag 10 nach der Spritze unter 10 % des Ausgangswerts [2]. Wie lange ein Test positiv bleibt, hängt also von der Dosis, von deinem Körper und von der Empfindlichkeit des Tests ab.

Praktisch bedeutet das:

  • Ein positiver Test in den ersten Tagen nach dem Transfer ist oft noch kein Hinweis auf eine Schwangerschaft.

  • Das gilt auch bei einem Kryotransfer, wenn im Transferzyklus der Eisprung mit hCG ausgelöst wurde oder wenn die Gelbkörperphase mit hCG-Spritzen unterstützt wird.

  • Wurde die Reifung dagegen nur mit einem GnRH-Agonisten ausgelöst, einem Mittel, das die körpereigene Hormonausschüttung anstößt, enthält die Spritze kein hCG. Manche Kliniken kombinieren beides. Frag nach, womit bei dir ausgelöst wurde.

Manche Frauen „testen die Spritze aus“, also täglich, bis der Strich verschwindet, und werten einen danach wieder dunkler werdenden Strich als Zeichen. Das kann funktionieren, ist aber wegen schwankender Urinkonzentration und unterschiedlicher Teststreifen unzuverlässig und für viele emotional belastend. Den verlässlicheren Weg bietet der Bluttest am vereinbarten Tag.

Urintest oder Beta-hCG im Blut?

Der Bluttest misst das Hormon als Zahl, meist als „Beta-hCG“ in IE/l oder mIU/ml. Er erkennt schon kleine Mengen und erlaubt einen Vergleich mit einem zweiten Wert. Urintests zeigen nur „ja“ oder „nein“ und unterscheiden sich deutlich in ihrer Empfindlichkeit. In einer älteren Vergleichsstudie mit 18 Tests aus der Apotheke erkannte nur einer sehr niedrige Konzentrationen; viele reagierten erst bei deutlich höheren Werten eindeutig [8]. Die Tests haben sich seitdem weiterentwickelt, der Grundsatz bleibt: Ein negativer Urintest vor dem vereinbarten Termin schließt eine Schwangerschaft nicht aus.

Ganz wichtig: Setze Medikamente zur Unterstützung der Gelbkörperphase, etwa Progesteron, nicht eigenmächtig ab, nur weil ein Urintest zu Hause negativ ist. Sprich das immer vorher mit deiner Klinik ab. Mehr zu diesem Hormon liest du im Beitrag Progesteronmangel: Symptome und Test.

Was ein niedriger oder langsam steigender Wert bedeutet

Ein einzelner hCG-Wert sagt weniger, als man sich wünscht. Die Werte streuen stark zwischen Frauen. In der österreichischen Studie lagen die Werte am Tag 14 nach einem Kryotransfer im Mittel sogar höher als nach einem frischen Transfer. Die Klinik leitete für sich Grenzwerte ab, oberhalb derer eine intakte Schwangerschaft wahrscheinlich war, mit unterschiedlichen Grenzen für frische und aufgetaute Embryonen [4]. Solche Zahlen gelten für das jeweilige Labor und den jeweiligen Testtag und lassen sich nicht einfach auf deinen Befund übertragen.

Aussagekräftiger ist oft der Verlauf. Die bekannte Faustregel „hCG verdoppelt sich alle 48 Stunden“ beschreibt einen Durchschnitt, kein Muss. In einer Studie an Frauen mit später bestätigter intakter Schwangerschaft stieg hCG in zwei Tagen im Mittel um 124 %; der langsamste noch mit einer intakten Schwangerschaft vereinbare Anstieg lag bei 53 % in zwei Tagen [5]. Eine spätere Auswertung zeigte, dass dieser Mindestanstieg vom Ausgangswert abhängt: Bei Werten unter 1.500 lag er bei 49 %, bei höheren Werten darunter [6]. Diese Studien stammen allerdings von Frauen mit Schmerzen oder Blutungen in der Frühschwangerschaft und nicht speziell aus der Kinderwunschbehandlung.

Ein niedriger Wert oder ein langsamer Anstieg kann deshalb Verschiedenes bedeuten:

  • eine intakte Schwangerschaft, die sich einfach etwas später eingenistet hat oder langsamer startet,

  • eine frühe Fehlgeburt, bei der die Werte wieder fallen; wurde die Schwangerschaft nur über hCG und nie im Ultraschall gesehen, spricht man von einem biochemischen Schwangerschaftsverlust [7],

  • selten eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (Eileiterschwangerschaft), die sich über hCG allein nicht ausschließen lässt. Deshalb ist später ein Ultraschall notwendig [4].

Was im Einzelfall zutrifft, lässt sich meist erst mit einem zweiten Wert nach 48 Stunden und später mit dem Ultraschall klären. Wie es nach einem positiven Ergebnis weitergeht, beschreiben wir im Beitrag Schwangerschaft nach Kinderwunschbehandlung. Falls der Verlauf nicht gut war, findest du im Beitrag Schwanger nach Fehlgeburt Informationen für die Zeit danach.

Wann ein ärztliches Gespräch sinnvoll ist

  • Wenn du vor dem vereinbarten Termin positiv oder negativ getestet hast und unsicher bist, wie es weitergeht.

  • Wenn du nicht weißt, ob deine Auslösespritze hCG enthielt oder wie lange sie den Test beeinflussen kann.

  • Wenn dein hCG-Wert niedrig ist, langsam steigt oder wieder fällt.

  • Sofort, wenn du nach einem positiven Test starke oder einseitige Unterbauchschmerzen, Schulterschmerzen, Schwindel oder Kreislaufprobleme hast oder stark blutest.

  • Wenn du Medikamente wie Progesteron nach einem negativen Test absetzen möchtest.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Testtag, Grenzwerte und das weitere Vorgehen hängen von deiner Behandlung und dem Labor deiner Klinik ab und sollten mit deinem Behandlungsteam besprochen werden.

Passend dazu

Quellen

  1. Wilcox AJ, Baird DD, Weinberg CR. Time of implantation of the conceptus and loss of pregnancy. N Engl J Med 1999;340(23):1796–1799. Abstract

  2. Damewood MD, Shen W, Zacur HA et al. Disappearance of exogenously administered human chorionic gonadotropin. Fertil Steril 1989;52(3):398–400. Abstract

  3. NHS. IVF: Finding out if you’re pregnant. Volltext

  4. Trautner PS, Oppelt P, Resch S et al. Single day 14 serum hCG values allow prediction of viable pregnancy and are significantly higher in frozen as compared to fresh single blastocyst transfer. J Assist Reprod Genet 2024;41(8):2193–2200. Volltext

  5. Barnhart KT, Sammel MD, Rinaudo PF et al. Symptomatic patients with an early viable intrauterine pregnancy: HCG curves redefined. Obstet Gynecol 2004;104(1):50–55. Abstract

  6. Barnhart KT, Guo W, Cary MS et al. Differences in serum human chorionic gonadotropin rise in early pregnancy by race and value at presentation. Obstet Gynecol 2016;128(3):504–511. Volltext

  7. Kolte AM, Bernardi LA, Christiansen OB et al. Terminology for pregnancy loss prior to viability: a consensus statement from the ESHRE early pregnancy special interest group. Hum Reprod 2015;30(3):495–498. PDF

  8. Cole LA, Khanlian SA, Sutton JM et al. Accuracy of home pregnancy tests at the time of missed menses. Am J Obstet Gynecol 2004;190(1):100–105. Abstract

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