AFC-Wert: antrale Follikel zählen und richtig einordnen

Abstrakte helle Kreise als Symbol für Follikel im Eierstock
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Der AFC-Wert (antral follicle count, deutsch: Zahl der antralen Follikel) gibt an, wie viele kleine, flüssigkeitsgefüllte Eibläschen von etwa 2 bis 10 Millimetern eine Ärztin oder ein Arzt zu Beginn des Zyklus im Ultraschall in beiden Eierstöcken zusammen gezählt hat. Er zeigt gut, wie viele Eizellen bei einer Hormonstimulation etwa zu erwarten sind, sagt aber nichts über die Qualität der Eizellen und kaum etwas über die Chance, auf natürlichem Weg schwanger zu werden [1].

Wenn du einen AFC-Wert in deinem Befund stehen hast, helfen dir drei Fragen bei der Einordnung: Wie wurde gezählt, wie passt der Wert zu deinem Alter und wofür wird er in deiner Situation verwendet. Einen Überblick über die Eizellreserve insgesamt findest du im Beitrag Eizellreserve: was AMH und Follikelzahl aussagen. Hier geht es gezielt um den Ultraschallwert.

Was der AFC-Wert kann – und was nicht

  • Was er zeigt: wie viele kleine Follikel zum Messzeitpunkt sichtbar sind, und damit, wie stark die Eierstöcke auf eine Stimulation voraussichtlich ansprechen [1, 3].

  • Was er nicht zeigt: wie gut die Eizellen sind, ob du natürlich schwanger wirst und wie hoch deine Chance auf eine Geburt nach einer Behandlung ist [1, 3].

  • Wofür er sinnvoll sein kann: zur Planung einer Kinderwunschbehandlung, etwa der Medikamentendosis, und als Baustein bei der Frage nach einer eingeschränkten oder sehr hohen Eizellreserve [1, 3, 7].

Was beim AFC gezählt wird

Gezählt werden die antralen Follikel. Das sind Eibläschen in einem Stadium, in dem sie bereits einen kleinen, im Ultraschall sichtbaren Flüssigkeitsraum (Antrum) haben. Die Messung erfolgt mit einem Ultraschall über die Scheide (transvaginal). Der AFC ist die Summe aus beiden Eierstöcken [1].

Die meisten Studien zählen Follikel mit 2 bis 10 Millimetern Durchmesser [1]. Ganz einheitlich ist das nicht: Die internationale PCOS-Leitlinie etwa zählt für ihre Zwecke Follikel von 2 bis 9 Millimetern pro Eierstock [7]. Weil Definitionen und Messtechnik zwischen Zentren lange stark auseinandergingen, hat eine Expertengruppe praktische Empfehlungen zur Vereinheitlichung formuliert [2]. Für dich heißt das: Zwei AFC-Werte aus verschiedenen Praxen sind nur bedingt vergleichbar.

An welchem Zyklustag?

Gemessen wird in der frühen Follikelphase, also in den ersten Tagen nach Beginn der Periode [1]. In der großen McGill-Studie, aus der eine häufig verwendete Altersreferenz stammt, wurde zwischen dem 2. und 4. Zyklustag untersucht [5]. Später im Zyklus wächst meist ein führendes Eibläschen über 10 Millimeter heran, das dann nicht mehr zu den antralen Follikeln zählt.

Wie zuverlässig ist die Zählung?

In erfahrenen Zentren schwankt der AFC von Zyklus zu Zyklus wenig, und verschiedene Untersuchende kommen zu ähnlichen Ergebnissen [1]. Die Qualität hängt aber vom Ultraschallgerät und von der Erfahrung ab. Ein Wert, der knapp an einer Grenze liegt, kann bei einer zweiten Messung etwas anders ausfallen.

AFC-Werte nach Alter

Der AFC nimmt mit dem Alter ab. In einer italienischen Studie an Frauen mit regelmäßigem Zyklus sank der mittlere AFC um etwa 0,4 Follikel pro Lebensjahr [4]. Aus dieser und anderen Studien gibt es Altersreferenzen (Normogramme), die zeigen, in welchem Bereich die Werte gleichaltriger Frauen liegen [4, 5].

Eine Tabelle mit konkreten Altersgrenzen drucken wir hier bewusst nicht ab. Die Normogramme stammen aus unterschiedlichen Gruppen, etwa aus Kinderwunschpatientinnen ohne PCOS-typische Eierstöcke [5] oder aus Frauen mit regelmäßigem Zyklus [4], und sie wurden mit unterschiedlichen Geräten und Zählweisen erstellt. Frag stattdessen deine Ärztin oder deinen Arzt, mit welcher Referenz dein Wert verglichen wurde und ob er eher im unteren, mittleren oder oberen Bereich für dein Alter liegt.

Wichtig ist außerdem: Auch unter gleichaltrigen Frauen ist die Eizellreserve sehr unterschiedlich [1].

Was ein niedriger oder hoher AFC bedeuten kann

Niedriger AFC

Ein niedriger AFC spricht dafür, dass bei einer Stimulation eher wenige Eizellen heranreifen. Eine europäische Konsensdefinition, die sogenannten Bologna-Kriterien, zählt einen AFC unter 5 bis 7 zu den Zeichen einer eingeschränkten Reserve, die zusammen mit anderen Faktoren wie Alter oder einer früheren schwachen Reaktion ein geringes Ansprechen erwarten lassen [6]. Das ist eine Planungshilfe für die Behandlung, keine Aussage darüber, ob du schwanger werden kannst. Die amerikanische Fachgesellschaft ASRM betont, dass ein niedriger Wert nicht dazu genutzt werden soll, von einer Behandlung abzuraten oder sie zu verweigern [1].

Hoher AFC

Ein hoher AFC lässt eine starke Reaktion auf eine Stimulation erwarten, was bei der Wahl von Medikament und Dosis berücksichtigt wird [3]. Sehr viele kleine Follikel können außerdem ein Hinweis auf polyzystische Eierstöcke sein: Die internationale Leitlinie nennt als Schwelle für Erwachsene 20 oder mehr Follikel in mindestens einem Eierstock [7]. Das allein ist aber noch keine PCOS-Diagnose, dafür braucht es weitere Kriterien. Mehr dazu liest du im Beitrag PCOS (jetzt PMOS): Symptome, Diagnose und Blutwerte.

AFC und AMH im Vergleich

Neben dem AFC wird oft der AMH-Wert (Anti-Müller-Hormon) bestimmt, ein Hormon aus den kleinen Follikeln, das sich im Blut messen lässt. Beide gelten als die aussagekräftigsten Marker der Eizellreserve und sind in ihrer Aussagekraft vergleichbar [1]. Die europäische Leitlinie zur Stimulation empfiehlt, entweder AFC oder AMH zu nutzen, um ein hohes oder niedriges Ansprechen vorherzusagen [3].


AFC

AMH

Methode

Ultraschall über die Scheide

Blutabnahme

Zeitpunkt

frühe Follikelphase, etwa Zyklustag 2 bis 4 [1, 5]

innerhalb und zwischen Zyklen relativ stabil, daher weitgehend unabhängig vom Zyklustag [1]

Abhängig von

Gerät und Erfahrung der Untersuchenden [1, 2]

Labormethode; unter hormoneller Verhütung kann er niedriger sein [1]

Vorhersage der Eizellzahl bei Stimulation

gut [1, 3]

gut [1, 3]

Vorhersage natürlicher Fruchtbarkeit

nein [1]

nein [1]

Aussage über Eizellqualität

nur schwacher Zusammenhang [1]

nur schwacher Zusammenhang [1]

Zusätzlicher Nutzen

zeigt gleichzeitig Eierstöcke und Gebärmutter im Bild

lässt sich ohne Ultraschall und zyklusunabhängig bestimmen

Beide Werte zusammen zu bestimmen, verbessert die Vorhersage laut ASRM kaum gegenüber einem einzelnen Wert [1]. In der Praxis werden sie trotzdem oft kombiniert, weil sie sich gegenseitig plausibilisieren: Passen AFC und AMH nicht zusammen, lohnt sich ein genauerer Blick auf Messzeitpunkt, Verhütung und Messmethode. Wie du den Blutwert liest, erklärt der Beitrag AMH-Wert verstehen.

Was der AFC nicht sagt

Der wichtigste Punkt zum Schluss: Der AFC misst Menge, nicht Qualität. Die ASRM unterscheidet ausdrücklich zwischen der Zahl der verbliebenen Eizellen und ihrer Qualität, also der Fähigkeit, nach einer Befruchtung zu einem Kind heranzuwachsen [1]. Für die Chance auf ein Kind ist das Alter nach Einschätzung der ASRM ein deutlich stärkerer Vorhersagewert als die Eizellreserve [1].

Auch die Chance, auf natürlichem Weg schwanger zu werden, lässt sich mit dem AFC nicht vorhersagen. In Studien an Frauen ohne bekannte Fruchtbarkeitsprobleme waren Marker der Eizellreserve schlechte Vorhersagewerte für die Wahrscheinlichkeit, in einem Zyklus schwanger zu werden [1]. Die europäische Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, AFC und AMH nicht zur Vorhersage von Schwangerschaft und Geburt nach einer Behandlung zu verwenden; das Alter ist hier aussagekräftiger [3]. Welche Faktoren die Chancen tatsächlich beeinflussen, beschreiben wir im Beitrag Wie sind meine Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft?.

Wann ein ärztliches Gespräch sinnvoll ist

  • Wenn dein AFC-Befund keinen Messtag, keine Follikelgröße oder keine Altersreferenz nennt und du ihn nicht einordnen kannst.

  • Wenn dein AFC niedrig ist und du wissen möchtest, was das für eine geplante Behandlung bedeutet.

  • Wenn AFC und AMH nicht zusammenpassen.

  • Wenn ein hoher AFC gefunden wurde und du unregelmäßige Zyklen, starke Behaarung oder Akne hast.

  • Wenn du unter 35 Jahre alt bist und seit zwölf Monaten, oder ab 35 seit sechs Monaten, ohne Erfolg versuchst, schwanger zu werden.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Der AFC ist ein Baustein unter mehreren; seine Bedeutung ergibt sich erst zusammen mit Alter, Zyklus, Hormonwerten und deiner Vorgeschichte.

Passend dazu

Quellen

  1. Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine. Testing and interpreting measures of ovarian reserve: a committee opinion. Fertil Steril 2020;114(6):1151–1157. PDF

  2. Broekmans FJ, de Ziegler D, Howles CM et al. The antral follicle count: practical recommendations for better standardization. Fertil Steril 2010;94(3):1044–1051. Abstract

  3. ESHRE Guideline Group on Ovarian Stimulation, Ata B, Bosch E et al. ESHRE guideline: ovarian stimulation for IVF/ICSI: an update in 2025. Hum Reprod 2026;41(4):498–514. Volltext

  4. La Marca A, Spada E, Sighinolfi G et al. Age-specific nomogram for the decline in antral follicle count throughout the reproductive period. Fertil Steril 2011;95(2):684–688. Abstract

  5. Almog B, Shehata F, Shalom-Paz E et al. Age-related normogram for antral follicle count: McGill reference guide. Fertil Steril 2011;95(2):663–666. Abstract

  6. Ferraretti AP, La Marca A, Fauser BC et al. ESHRE consensus on the definition of ‘poor response’ to ovarian stimulation for in vitro fertilization: the Bologna criteria. Hum Reprod 2011;26(7):1616–1624. Abstract

  7. Teede HJ, Tay CT, Laven J et al. Recommendations from the 2023 International Evidence-based Guideline for the Assessment and Management of Polycystic Ovary Syndrome. Hum Reprod 2023;38(9):1655–1679. Volltext

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