Fruchtbarkeitstest für Frauen: Welche Tests es gibt und was sie wirklich zeigen

Fruchtbarkeitstest für Frauen: Welche Tests es gibt und wann sie sinnvoll sind
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„Fruchtbarkeitstest“ klingt nach einer Antwort auf eine einfache Frage: Kann ich schwanger werden? Genau diese Antwort gibt kein Test. Was unter dem Begriff verkauft wird, sind sehr verschiedene Untersuchungen, die sehr verschiedene Dinge messen – von einem Urinstreifen, der den Eisprung ankündigt, bis zu einem Blutwert, der etwas über die verbliebene Eizellzahl aussagt.

Dieser Beitrag sortiert die gängigen Verfahren, erklärt in einfachen Worten, was sie messen, und zeigt anhand der Studienlage, welche Frage sie beantworten – und welche nicht. Alle Fachbegriffe erklären wir beim ersten Vorkommen; die Quellen stehen unten.

Was ein Fruchtbarkeitstest zeigt – und was nicht

  • Was er zeigt: einzelne Bausteine. Ein Ovulationstest zeigt den bevorstehenden Eisprung, ein Progesteronwert zur richtigen Zeit bestätigt ihn im Nachhinein [3], AMH schätzt die Eizellreserve [4].

  • Was er nicht zeigt: ob und wann du schwanger wirst. In einer Studie mit 750 Frauen zwischen 30 und 44 Jahren war ein niedriger AMH-Wert nicht mit einer geringeren Chance auf eine Schwangerschaft verbunden [1].

  • Was Fachgesellschaften daraus folgern: Ein einzelner AMH-Wert „scheint bei Frauen mit vermuteter Fruchtbarkeit nicht nützlich zu sein, um die Zeit bis zur Schwangerschaft vorherzusagen, und sollte für eine solche Beratung nicht verwendet werden“ [2].

  • Wofür Tests trotzdem sinnvoll sind: um Ursachen einzugrenzen, wenn es nicht klappt, und um vor einer Kinderwunschbehandlung abzuschätzen, wie die Eierstöcke auf eine Stimulation reagieren könnten [3].

  • Wichtig: Kein Wert ergibt allein ein Bild. Was deine Ergebnisse bedeuten, lässt sich nur ärztlich einordnen.

Warum „Fruchtbarkeit“ kein Messwert ist

Ob eine Schwangerschaft entsteht, hängt an vielen Stellschrauben: einem Eisprung, durchgängigen Eileitern, einer aufnahmebereiten Gebärmutterschleimhaut, der Spermienqualität des Partners, dem Timing – und an einer erheblichen Portion Zufall. Ein Bluttest erreicht davon einen Ausschnitt. Deshalb kann er Hinweise liefern, aber keine Prognose stellen.

Das ist keine Bescheidenheitsfloskel, sondern in Studien gut belegt. Und genau hier liegt der größte Unterschied zwischen dem, was manche Anbieter versprechen, und dem, was die Datenlage hergibt.

Die vier gängigen Verfahren im Einzelnen

1. Ovulationstests (LH im Urin)

Diese Teststreifen messen LH (luteinisierendes Hormon) im Urin. Etwa 24 bis 36 Stunden vor dem Eisprung steigt LH stark an – der Test zeigt also ein Zeitfenster an, nicht den Eisprung selbst.

Die Evidenz dafür ist inzwischen ordentlich: Eine Cochrane-Übersichtsarbeit von 2023 kommt zu dem Schluss, dass Geschlechtsverkehr nach Urin-Ovulationstests „bei Frauen unter 40, die seit weniger als zwölf Monaten schwanger werden möchten, die Lebendgeburten- und Schwangerschaftsraten wahrscheinlich verbessert“ – verglichen mit Geschlechtsverkehr ohne Eisprungvorhersage. Zugleich betonen die Autorinnen und Autoren, dass die Daten zu unerwünschten Effekten, zur Zeit bis zur Schwangerschaft und zur Lebensqualität nicht ausreichen [5].

Was der Test nicht zeigt: ob nach dem LH-Anstieg tatsächlich eine Eizelle gesprungen ist.

2. Progesteron in der zweiten Zyklushälfte

Progesteron ist das Hormon, das nach dem Eisprung vom Gelbkörper gebildet wird. Es taugt deshalb als Nachweis, dass ein Eisprung stattgefunden hat. Die britische NICE-Leitlinie empfiehlt dafür „einen Bluttest zur Bestimmung von Serum-Progesteron in der mittleren Lutealphase (Tag 21 eines 28-Tage-Zyklus)“ – bei unregelmäßigen Zyklen entsprechend später und wöchentlich wiederholt, bis die nächste Blutung beginnt [3].

Was der Wert nicht beantwortet: wie gut die Eizelle war oder ob die Einnistung gelingt.

3. AMH – der am häufigsten missverstandene Wert

AMH steht für Anti-Müller-Hormon. Es wird von den heranreifenden Eibläschen gebildet und ist damit ein Maß dafür, wie viele Eibläschen noch vorhanden sind – die sogenannte Eizellreserve. Es ist ein Mengenmaß, kein Qualitätsmaß.

Die entscheidende Studie dazu erschien 2017 in JAMA: 750 Frauen zwischen 30 und 44 Jahren ohne Unfruchtbarkeit in der Vorgeschichte wurden begleitet. Frauen mit niedrigem AMH (unter 0,7 ng/ml) hatten nach sechs Zyklen eine geschätzte Schwangerschaftswahrscheinlichkeit von 65 Prozent, Frauen mit normalen Werten von 62 Prozent. Das Fazit der Arbeit: Marker einer verminderten Eizellreserve waren „nicht mit einer verringerten Fruchtbarkeit assoziiert“ [1].

Die amerikanische Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe zog daraus eine klare Konsequenz und hält ausdrücklich fest, dass ein einzelner AMH-Wert bei Frauen mit vermuteter Fruchtbarkeit nicht dazu geeignet ist, die Zeit bis zur Schwangerschaft vorherzusagen, und für eine solche Beratung nicht verwendet werden sollte. Auch für die Vorhersage von Fehlgeburten wird ein routinemäßiger AMH-Test nicht empfohlen [2].

Wofür AMH also taugt: als Planungsgröße vor einer Kinderwunschbehandlung. NICE nennt AMH, FSH und die Zahl der sichtbaren Eibläschen im Ultraschall (antraler Follikelcount) als Maße, um die Reaktion der Eierstöcke auf eine IVF-Stimulation abzuschätzen [3]. Auch bei der PCOS/PMOS-Abklärung spielt AMH eine Rolle – allerdings mit der ausdrücklichen Einschränkung, dass es „nicht als alleiniger Test zur Diagnose“ verwendet werden soll [4].

4. Zyklustracking: Temperatur und Zervixschleim

Basaltemperatur und Beobachtung des Zervixschleims sind kostenlos und lehrreich – aber als Vorhersageinstrument begrenzt. NICE formuliert knapp: „Die Basaltemperatur sagt den Eisprung nicht zuverlässig voraus und wird nicht empfohlen“ [3]. Der Temperaturanstieg zeigt den Eisprung erst, wenn er vorbei ist.

Welche Werte gemeinsam betrachtet werden

In der Basisabklärung geht es weniger um einen einzelnen Wert als um ein Muster: Findet ein Eisprung statt (Progesteron in der zweiten Zyklushälfte)? Wie steht es um die Steuerungshormone (FSH, LH, Östradiol)? Gibt es Hinweise auf PCOS/PMOS (männliche Hormone, Zyklusanamnese, Ultraschall) [4]?

Interessant ist, was NICE ausdrücklich nicht zur Basisabklärung zählt: „Prolaktin- oder Schilddrüsenfunktionstests sind nicht erforderlich“, wenn keine entsprechenden Hinweise vorliegen [3]. In Deutschland werden Schilddrüsenwerte bei Kinderwunsch häufiger mitbestimmt – ein gutes Beispiel dafür, dass Leitlinien international nicht immer deckungsgleich sind und die Auswahl der Werte eine ärztliche Entscheidung bleibt.

Wann eine Abklärung ansteht

  • Wenn es nach zwölf Monaten mit regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr nicht geklappt hat. Ab diesem Zeitpunkt sieht NICE eine klinische Abklärung vor [3].

  • Früher, wenn der Zyklus unregelmäßig ist, die Periode ausbleibt oder eine bekannte Vorerkrankung vorliegt.

  • Früher auch bei höherem Alter oder nach Operationen an Eierstöcken, Eileitern oder Gebärmutter.

  • Immer gemeinsam als Paar: Die Untersuchung der Spermienqualität gehört von Anfang an dazu.

Was du daraus mitnehmen kannst

Fruchtbarkeitstests sind nützliche Werkzeuge mit klar begrenztem Auftrag. Ovulationstests helfen beim Timing [5]. Progesteron bestätigt den Eisprung [3]. AMH schätzt eine Menge, keine Chance [1][2]. Wer diese Grenzen kennt, kann Tests sinnvoll einsetzen – und Enttäuschungen vermeiden, die entstehen, wenn eine Zahl mehr verspricht, als sie halten kann.

Der eigentliche Wert entsteht ohnehin erst danach: wenn die Ergebnisse gemeinsam mit deiner Zyklusgeschichte, deinem Alter und den Befunden deines Partners ärztlich eingeordnet werden.

Passend dazu

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt kein ärztliches Gespräch.

Quellen

  1. Steiner AZ, Pritchard D, Stanczyk FZ et al. Association between biomarkers of ovarian reserve and infertility among older women of reproductive age. JAMA 2017;318(14):1367–1376. DOI 10.1001/jama.2017.14588. Zur Publikation

  2. American College of Obstetricians and Gynecologists. ACOG Committee Opinion No. 773: The use of antimüllerian hormone in women not seeking fertility care. Obstetrics & Gynecology 2019;133(4):e274–e278. DOI 10.1097/AOG.0000000000003162. Zur Stellungnahme

  3. O’Flynn N. Assessment and treatment for people with fertility problems: NICE guideline. British Journal of General Practice 2014;64(618):50–51. DOI 10.3399/bjgp14X676609. Zusammenfassung der NICE-Leitlinie CG156. Volltext

  4. Teede HJ, Tay CT, Laven JJE et al. Recommendations from the 2023 International Evidence-based Guideline for the Assessment and Management of Polycystic Ovary Syndrome. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 2023;108(10):2447–2469. DOI 10.1210/clinem/dgad463. Zur Leitlinie

  5. Gibbons T, Reavey J, Georgiou EX, Becker CM. Timed intercourse for couples trying to conceive. Cochrane Database of Systematic Reviews 2023, Issue 9, Art. No. CD011345. DOI 10.1002/14651858.CD011345.pub3. Zur Übersichtsarbeit

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