Endometrium-Scratching bei ungeklärtem Kinderwunsch: kein gesicherter Vorteil
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Eine große niederländische Studie hat das Ankratzen der Gebärmutterschleimhaut vor natürlichen Versuchen untersucht
Beim Endometrium-Scratching wird die Gebärmutterschleimhaut mit einem dünnen Katheter leicht angeritzt. Die Idee dahinter: Die kleine Verletzung soll eine Heilungsreaktion auslösen, die die Einnistung erleichtert. Das Verfahren wird seit Jahren angeboten, meist als Zusatzleistung. Eine im September 2026 in Human Reproduction veröffentlichte Studie mit 593 Paaren hat es bei ungeklärtem Kinderwunsch und guter Prognose untersucht [1]. Ein statistisch gesicherter Vorteil zeigte sich nicht.
Die Studie im Überblick
Studientyp | Randomisierte kontrollierte Studie (SCRaTCH-OFO) |
Wo | 31 Kliniken in den Niederlanden |
Zeitraum | November 2017 bis Mai 2023 |
Wer | 593 Frauen zwischen 18 und 38 Jahren mit ungeklärter Unfruchtbarkeit und guter Chance auf eine natürliche Schwangerschaft (Hunault-Score mindestens 30 %) |
Vergleich | Scratching zu Beginn einer mindestens sechsmonatigen Phase natürlicher Versuche oder kein Eingriff |
Hauptziel | Schwangerschaft innerhalb von 12 Monaten, die zu einer Geburt führte |
Der Hunault-Score schätzt anhand von Alter, Dauer des Kinderwunsches, früheren Schwangerschaften und Befunden, wie wahrscheinlich eine natürliche Schwangerschaft im nächsten Jahr ist. In den Niederlanden wird Paaren mit guter Prognose zunächst zu weiteren 6 bis 12 Monaten natürlicher Versuche geraten. Das Scratching wurde einmalig mit einem dünnen Biopsiekatheter ohne Betäubung gemacht.
Die Ergebnisse
Scratching | Kein Eingriff | |
|---|---|---|
Geburt innerhalb von 12 Monaten (alle zugeteilten Paare) | 188 von 294 (64 %) | 168 von 294 (57 %) |
Geburt innerhalb von 12 Monaten (nur Paare mit durchgeführtem Scratching) | 157 von 259 (61 %) | 168 von 294 (57 %) |
Der Unterschied war nicht statistisch signifikant (relatives Risiko 1,12; 95%-KI 0,98 bis 1,28). Auch bei Zeit bis zur Schwangerschaft, Fehlgeburten, Eileiterschwangerschaften und Mehrlingen gab es keine signifikanten Unterschiede. Schwere Komplikationen traten nicht auf. 14 Frauen berichteten in der Woche nach dem Eingriff über Beschwerden, am häufigsten über leichte Blutungen (3,5 %) und Bauchschmerzen (1,2 %).
Wie ist das Ergebnis einzuordnen?
Auf den ersten Blick sieht ein Unterschied von 7 Prozentpunkten nach einem Vorteil aus. Das Konfidenzintervall reicht aber von einem Nachteil von 1,1 Prozentpunkten bis zu einem Vorteil von 14,7 Prozentpunkten. Ein kleiner Nutzen ist damit weder belegt noch ausgeschlossen.
Dazu kommt: Geplant waren 792 Paare. Weil weniger Paare teilnehmen wollten als erwartet, wurden es 593. Die Studie hatte damit weniger Aussagekraft als vorgesehen. Wer nur die Paare betrachtet, bei denen das Scratching tatsächlich gemacht wurde, sieht einen noch kleineren Unterschied (61 % gegenüber 57 %).
Weitere Punkte, die das Autorenteam selbst nennt:
Nicht nur natürliche Versuche: In beiden Gruppen begannen innerhalb der 12 Monate 45 % eine Kinderwunschbehandlung, meist eine Insemination mit leichter Stimulation. Ein Teil der Geburten geht also auf diese Behandlung zurück.
Kein Scheineingriff: Die Kontrollgruppe bekam keinen Scheineingriff, und alle wussten, in welcher Gruppe sie waren.
Ungleich verteilt: In der Scratching-Gruppe rauchten 3,4 % der Frauen, in der Kontrollgruppe 10,1 %. Das könnte die Scratching-Gruppe leicht begünstigt haben.
Was die Fachgesellschaft sagt
Die europäische Fachgesellschaft ESHRE hat 2023 Empfehlungen zu Zusatzleistungen in der Kinderwunschbehandlung veröffentlicht [2]. Darin wird Endometrium-Scratching für den routinemäßigen Einsatz nicht empfohlen, weil sein Nutzen trotz zahlreicher Studien unsicher bleibt. Die neue Studie ändert an dieser Einschätzung nichts.
Was das für dich bedeutet
Ungeklärter Kinderwunsch mit guter Prognose: Die Chance auf eine Geburt innerhalb eines Jahres lag in dieser Studie auch ohne Eingriff bei 57 %.
Kosten und Aufwand: Scratching ist meist gut verträglich, kann aber leichte Blutungen und Schmerzen verursachen und wird oft als Selbstzahlerleistung angeboten. Ein gesicherter Nutzen bei ungeklärtem Kinderwunsch steht dem bisher nicht gegenüber.
Bei IVF: Die Studie hat Paare ohne IVF untersucht. Für IVF ist die Lage umstritten: Das Autorenteam sieht in früheren großen Studien einen Nutzen, die ESHRE empfiehlt Scratching dagegen auch dort nicht routinemäßig.
Fragen für deine Sprechstunde
Prognose: Wie hoch schätzt du unsere Chance auf eine natürliche Schwangerschaft im nächsten Jahr ein?
Zusatzleistungen: Welche Zusatzleistungen werden uns angeboten, und welche Studien belegen ihren Nutzen?
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
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Quellen
Preesman EE, Bui B, van de Ven PM, et al. Endometrial scratching in patients with unexplained infertility who have a good prognosis for natural conception: a randomized controlled trial (SCRaTCH-OFO). Hum Reprod. 2026, online 29.09.2026. doi.org/10.1093/humrep/deag153
ESHRE Add-ons working group, Lundin K, Bentzen JG, et al. Good practice recommendations on add-ons in reproductive medicine. Hum Reprod. 2023;38(11):2062-2104. doi.org/10.1093/humrep/dead184
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