Endometriose und Kinderwunsch: erst operieren oder direkt IVF?

Waldweg, der sich in zwei Wege teilt, als Symbol für die Entscheidung zwischen Operation und IVF
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Waldweg, der sich in zwei Wege teilt, als Symbol für die Entscheidung zwischen Operation und IVF
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Ärztliche Sprechstunde

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Eine neue Studie vergleicht beide Wege bei Endometriose, die im Ultraschall sichtbar ist

Wenn bei dir Endometriome (sogenannte Schokoladenzysten am Eierstock) oder eine tief infiltrierende Endometriose im Ultraschall gefunden wurden und du schwanger werden möchtest, gibt es zwei Wege. Der erste: eine Bauchspiegelung, bei der die Herde entfernt werden, und danach ein natürlicher Versuch. Der zweite: der direkte Start mit einer IVF. Eine im Oktober 2026 veröffentlichte Studie aus Italien hat beide Wege erstmals mit Zufallszuteilung verglichen [1]. Innerhalb von zwölf Monaten bekamen nach IVF 57 % der Frauen ein Kind, nach Operation 26 %.

Die Studie ist klein und gilt für eine klar umrissene Gruppe. Hier erfährst du, was sie zeigt, wo ihre Grenzen liegen und welche Fragen du in der Sprechstunde stellen kannst.

Warum sich diese Frage heute neu stellt

Lange war die Bauchspiegelung (Laparoskopie) der einzige Weg, eine Endometriose sicher festzustellen. Wer dafür ohnehin operiert wurde, bekam die Herde meist gleich mit entfernt.

Heute lassen sich Endometriome und tief infiltrierende Herde mit einem erfahrenen Ultraschall zuverlässig erkennen. Die europäische Fachgesellschaft ESHRE stellt die Laparoskopie als Goldstandard der Diagnose in ihrer Leitlinie von 2022 deshalb infrage [2]. Damit fällt ein wichtiger Grund für die Operation weg, und es bleibt die Frage: Verbessert sie die Chance auf ein Kind?

Die ESHRE-Leitlinie nennt Operation und Kinderwunschbehandlung beide als mögliche Wege. Welcher besser ist, konnte sie auf Basis der damaligen Daten nicht festlegen [2]. Eine randomisierte Studie zu genau dieser Situation gab es bisher nicht.

Die Studie im Überblick

Wo

3 spezialisierte Zentren in Italien mit Erfahrung in Endometriose-Chirurgie und IVF

Zeitraum

März 2021 bis September 2024

Wer

130 Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch und Endometriomen oder tief infiltrierender Endometriose im Ultraschall

Vergleich

Laparoskopie mit anschließendem natürlichem Versuch oder bis zu drei vollständige IVF-Zyklen

Zuteilung

55 Frauen per Los, 75 Frauen nach eigenem Wunsch

Hauptziel

Schwangerschaft, die innerhalb von zwölf Monaten zu einer Geburt führte

Wer eine klare Vorliebe für einen der beiden Wege hatte und nicht losen wollte, konnte trotzdem teilnehmen. Diese Frauen wurden getrennt ausgewertet.

Teilnehmen konnten Frauen, auf die alle folgenden Punkte zutrafen:

  • Alter: unter 40 Jahre

  • Zyklus: regelmäßig

  • Endometriome: kleiner als 4 cm

  • Vorgeschichte: keine frühere Operation wegen Endometriose und keine frühere IVF

  • Eileiter, Harnleiter, Darm: kein flüssigkeitsgefüllter Eileiter (Hydrosalpinx), keine Verengung des Harnleiters, keine Darmbeschwerden, die auf eine beginnende Verengung hindeuten

  • Partner: unauffälliges Spermiogramm

Die Ergebnisse

Gruppe

Geburt nach Operation

Geburt nach IVF

Per Los zugeteilt (55 Frauen)

7 von 27 (26 %)

16 von 28 (57 %)

Nach eigenem Wunsch (75 Frauen)

7 von 25 (28 %)

32 von 50 (64 %)

In der ausgelosten Gruppe war die Chance auf eine Geburt nach IVF 2,2-mal so hoch wie nach Operation (relatives Risiko 2,20; 95%-Konfidenzintervall 1,08 bis 4,50). Wertet man beide Gruppen zusammen aus, liegt der Wert bei 2,29 (1,41 bis 3,70) [1].

Geplant waren 206 Frauen. Nach 130 Teilnehmerinnen hat das Studienteam die Aufnahme in Absprache mit den Ethikkommissionen beendet, weil sich der Vorteil der IVF immer deutlicher abzeichnete.

Wie belastbar sind die Ergebnisse?

Die Richtung ist klar. Bei der Größe des Effekts ist Vorsicht angebracht:

  • Kleine Zahl: Im ausgelosten Teil waren es 55 Frauen. Das Konfidenzintervall ist entsprechend breit, der tatsächliche Vorteil der IVF kann kleiner oder größer sein als gemessen.

  • Vorzeitiger Abbruch: Studien, die wegen eines deutlichen Vorteils früh enden, überschätzen den Effekt eher.

  • Zwölf Monate: Eine natürliche Schwangerschaft nach Operation kann länger als ein Jahr auf sich warten lassen. Ob der Abstand bei längerer Beobachtung kleiner wird, zeigt die Studie nicht.

  • Gleiches Bild in beiden Gruppen: Die Frauen, die ihren Weg selbst gewählt haben, zeigen fast dieselben Zahlen. Das spricht gegen einen Zufallsbefund in der kleinen ausgelosten Gruppe.

  • Schmerzen: Die veröffentlichte Zusammenfassung berichtet keine Ergebnisse zu Schmerzen oder Lebensqualität.

Für wen die Ergebnisse gelten

Die Zahlen beziehen sich auf Frauen, die alle oben genannten Kriterien erfüllen. Auf diese Situationen lassen sie sich nicht direkt übertragen:

  • Alter: 40 Jahre und älter

  • Vorgeschichte: frühere Endometriose-Operation oder frühere IVF

  • Größe: Endometriome ab 4 cm

  • Beteiligung anderer Organe: Hydrosalpinx, Harnleiter oder Darm betroffen

  • Partner: auffälliges Spermiogramm

  • Oberflächliche Endometriose: Herde am Bauchfell sind im Ultraschall meist nicht zu sehen. Um diese Form ging es in der Studie nicht.

Wann eine Operation trotzdem sinnvoll sein kann

Für den Kinderwunsch spricht diese Studie für die IVF als ersten Schritt. Es gibt aber Gründe, die für eine Operation sprechen können:

  • Schmerzen: starke Beschwerden, die sich mit Medikamenten nicht ausreichend lindern lassen

  • Organbeteiligung: Endometriose an Harnleiter oder Darm mit Beschwerden

  • Hydrosalpinx: ein flüssigkeitsgefüllter Eileiter kann vor einer IVF eine Operation nötig machen

  • Unklarer Befund: wenn der Ultraschall eine Zyste nicht sicher einordnen kann

Bei Endometriomen gehört ein weiterer Punkt in die Abwägung: Eine Operation am Eierstock kann die Eizellreserve verringern. In einer Meta-Analyse mit 237 Patientinnen sank das AMH nach der Entfernung von Endometriomen im Mittel um 1,13 ng/ml [3]. Das solltest du besonders dann besprechen, wenn deine Eizellreserve schon niedrig ist.

Was die Krankenkasse übernimmt

In Deutschland übernehmen gesetzliche Krankenkassen nach § 27a SGB V unter bestimmten Voraussetzungen (unter anderem Ehe und Altersgrenzen) 50 % der Kosten für bis zu drei IVF-Versuche. Eine medizinisch begründete Operation wird in der Regel vollständig übernommen. Private Versicherungen, Österreich und die Schweiz haben eigene Regeln. Frag am besten vor der Entscheidung bei deiner Versicherung nach.

Fragen für deine Sprechstunde

  • Befund: Welche Form der Endometriose ist bei mir im Ultraschall zu sehen, und wie groß sind die Endometriome?

  • Eizellreserve: Wie sind mein AMH-Wert und die Zahl der antralen Follikel?

  • Schmerzen: Wie stark schränken mich meine Beschwerden ein, und reicht eine Behandlung mit Medikamenten?

  • Partner: Wurde ein aktuelles Spermiogramm gemacht?

  • Operation: Was würde ein Eingriff für meine Eizellreserve bedeuten?

  • Kosten: Welche Kosten übernimmt meine Versicherung für welchen Weg?

Wann ein ärztliches Gespräch sinnvoll ist

  • Kinderwunsch: Du bist unter 35 und wirst seit 12 Monaten nicht schwanger, oder du bist 35 oder älter und versuchst es seit 6 Monaten.

  • Bekannte Endometriose: Lass dich früh in einem Kinderwunschzentrum mit Erfahrung in Endometriose beraten, am besten bevor eine Operation geplant ist.

  • Schmerzen: Deine Regelschmerzen, Schmerzen beim Sex oder beim Stuhlgang schränken deinen Alltag ein.

  • Sofort: Bei plötzlichen starken Bauchschmerzen oder Fieber such umgehend ärztliche Hilfe.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Passend dazu

Quellen

  1. Benaglia L, Vignali M, Reschini M, et al. IVF versus surgery for infertility in women with deep and ovarian endometriosis: a partially randomized patient preference trial. Am J Obstet Gynecol. 2026, online 24.10.2026. doi.org/10.1016/j.ajog.2026.10.024

  2. Becker CM, Bokor A, Heikinheimo O, et al. ESHRE guideline: endometriosis. Hum Reprod Open. 2022;2022(2):hoac009. doi.org/10.1093/hropen/hoac009

  3. Raffi F, Metwally M, Amer S. The impact of excision of ovarian endometrioma on ovarian reserve: a systematic review and meta-analysis. J Clin Endocrinol Metab. 2012;97(9):3146-54. doi.org/10.1210/jc.2012-1558

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