Progesteron nach dem Eisprung: wann messen, welcher Wert?
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Hormoncheck nach dem Eisprung
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Ob ein Eisprung stattgefunden hat, lässt sich am besten mit einem Progesteron-Bluttest etwa sieben Tage vor der erwarteten Periode prüfen, also nicht stur an Tag 21, sondern passend zu deiner Zykluslänge [1]. Ein Wert über 3 ng/ml (etwa 10 nmol/l) gilt nach der amerikanischen Fachgesellschaft für Reproduktionsmedizin als ausreichender Hinweis auf einen kürzlich erfolgten Eisprung [1].
Progesteron ist das Hormon, das nach dem Eisprung vom Gelbkörper gebildet wird (dem Rest des Eibläschens, das beim Eisprung die Eizelle freigegeben hat). Ohne Eisprung gibt es keinen Gelbkörper und damit kaum Progesteron. Genau das macht den Test so nützlich. Er funktioniert aber nur, wenn du zum richtigen Zeitpunkt misst. Um Beschwerden, die mit einem Progesteronmangel in Verbindung gebracht werden, geht es im Beitrag Progesteronmangel: Symptome, Ursachen und was der Test wirklich zeigt. Hier geht es um den Bluttest selbst: Timing, Grenzwerte und Aussagekraft.
Was der Progesteronwert nach dem Eisprung kann – und was nicht
Was er zeigt: Ob in diesem Zyklus sehr wahrscheinlich ein Eisprung stattgefunden hat, vorausgesetzt, das Blut wurde in der Mitte der zweiten Zyklushälfte abgenommen [1][2].
Was er nicht zeigt: Wie “gut” deine zweite Zyklushälfte ist, ob du eine Gelbkörperschwäche hast oder wie hoch deine Chance auf eine Schwangerschaft ist. Progesteron schwankt dafür innerhalb weniger Stunden zu stark [1][5].
Wofür er sinnvoll sein kann: Bei Kinderwunsch, bei unregelmäßigen Zyklen oder bei Verdacht auf Zyklen ohne Eisprung, etwa im Rahmen einer PCOS-Abklärung [1][2].
Warum der Zeitpunkt entscheidend ist
Nach dem Eisprung steigt Progesteron an und erreicht etwa in der Mitte der zweiten Zyklushälfte, der Lutealphase, seinen höchsten Bereich. Danach fällt es wieder ab, und kurz darauf setzt die Periode ein. Misst du zu früh, ist der Wert noch niedrig, obwohl alles in Ordnung ist. Misst du zu spät, ist er schon wieder gefallen.
Die Lutealphase ist bei den meisten Frauen relativ konstant und dauert im Durchschnitt etwa 12 bis 14 Tage [7]. Die erste Zyklushälfte, die Follikelphase, schwankt dagegen stark [7]. Deshalb rechnet man vom Ende des Zyklus zurück und nicht vom Anfang nach vorn. Mehr zur zweiten Zyklushälfte erklären wir im Beitrag Lutealphase: Länge, Progesteron und Kinderwunsch.
So bestimmst du den richtigen Tag
Bei regelmäßigem Zyklus
Die Faustregel lautet: erwartete Zykluslänge minus sieben Tage. Die amerikanische Fachgesellschaft ASRM empfiehlt ausdrücklich, Progesteron etwa eine Woche vor der erwarteten nächsten Periode zu messen und nicht an einem festen Zyklustag wie Tag 21 [1]. Die britische NICE-Leitlinie nennt Tag 21 nur als Beispiel für einen 28-Tage-Zyklus und Tag 28 für einen 35-Tage-Zyklus [2].
Deine übliche Zykluslänge | Passender Messtag (ungefähr) |
|---|---|
26 Tage | Tag 19 |
28 Tage | Tag 21 |
30 Tage | Tag 23 |
32 Tage | Tag 25 |
35 Tage | Tag 28 |
Tag 1 ist dabei der erste Tag deiner Periode. Wie du deine Zykluslänge sauber bestimmst, erklären wir in Zykluslänge: Was ist normal?. Nimm am besten den Durchschnitt deiner letzten drei bis sechs Zyklen.
Mit Ovulationstest
Wenn du LH-Tests aus der Apotheke nutzt (sie messen das Hormon LH, das den Eisprung auslöst), kannst du den Zeitpunkt noch genauer planen. Der Eisprung folgt dem LH-Anstieg meist innerhalb von ein bis zwei Tagen [1]. Eine Blutabnahme etwa sieben Tage nach dem vermuteten Eisprung trifft dann gut die Mitte der Lutealphase. Bei PCOS können LH-Tests allerdings falsch positiv sein, weil LH dauerhaft erhöht sein kann [1].
Bei unregelmäßigem Zyklus
Wenn deine Zyklen stark schwanken, ist der richtige Tag schwer vorherzusagen. NICE empfiehlt dann, später im Zyklus zu messen und die Messung wöchentlich zu wiederholen, bis die nächste Periode einsetzt [2]. So erwischst du mit einer der Messungen die Lutealphase, falls ein Eisprung stattgefunden hat.
Nachträglich prüfen
Ob der Zeitpunkt gepasst hat, siehst du erst, wenn die nächste Periode kommt. Setzt sie ungefähr eine Woche nach der Blutabnahme ein, lag die Messung gut in der Lutealphase [1]. Kommt die Periode erst deutlich später, war die Messung vermutlich zu früh. Ein niedriger Wert ist dann kein Beweis für einen fehlenden Eisprung. Notiere dir deshalb immer den Tag der Blutabnahme und den Beginn der nächsten Periode.
Welche Werte sprechen für einen Eisprung?
Progesteron wird je nach Labor in ng/ml oder nmol/l angegeben. Zur Umrechnung: 1 ng/ml entspricht etwa 3,18 nmol/l. In der Literatur werden verschiedene Schwellen genannt, die jeweils etwas anderes aussagen:
Wert in der Lutealphasenmitte | Einordnung | Quelle |
|---|---|---|
über 3 ng/ml (etwa 10 nmol/l) | ausreichender Hinweis auf einen kürzlich erfolgten Eisprung | ASRM [1] |
ab 5 ng/ml (etwa 16 nmol/l) | bestätigt einen Eisprung mit hoher Sicherheit | Leiva 2015 [4] |
ab etwa 9,4 ng/ml (30 nmol/l) | klassischer Richtwert für einen “potenziell fruchtbaren” Zyklus | Hull 1982 [3] |
Die Unterschiede erklären sich so: Die 3 ng/ml der ASRM beantworten nur die Frage, ob ein Eisprung stattgefunden hat [1]. In einer europäischen Studie, in der der Eisprung zusätzlich mit Ultraschall und Urin-Hormonen bestimmt wurde, kamen Werte ab 5 ng/ml in Zyklen ohne Eisprung fast nie vor (Spezifität rund 98 Prozent), während etwa 10 Prozent der Zyklen mit Eisprung trotzdem darunter lagen [4]. Der ältere Richtwert von 30 nmol/l stammt aus einer britischen Studie von 1982: Dort lagen die Werte in natürlichen Empfängniszyklen im Mittel bei etwa 41 nmol/l, und die Autoren schlugen 30 nmol/l als praktische Untergrenze vor [3].
Wichtig: Diese Zahlen gelten nur für eine Messung in der Mitte der Lutealphase und nur für natürliche Zyklen ohne hormonelle Stimulation. Nach einer Stimulation mit Medikamenten wie Clomifen können die Werte höher ausfallen, weil mehrere Eibläschen reifen [3]. Unter hormoneller Verhütung wie der Pille findet in der Regel kein Eisprung statt, dann ist der Test nicht sinnvoll.
Wenn dein Wert niedrig ist
Ein niedriger Wert kann drei Gründe haben:
Der Zeitpunkt passte nicht: Das ist der häufigste Grund, besonders bei längeren oder schwankenden Zyklen.
In diesem Zyklus gab es keinen Eisprung: Einzelne Zyklen ohne Eisprung kommen auch bei gesunden Frauen mit regelmäßigem Zyklus vor [1].
Es gibt eine Störung des Eisprungs, etwa bei PCOS, Schilddrüsenstörungen oder erhöhtem Prolaktin. Auch bei regelmäßigem Zyklus kann der Eisprung gestört sein [1]. Mehr dazu in PCOS (jetzt PMOS): Symptome, Diagnose und Blutwerte.
Ein einzelner niedriger Wert ist daher noch keine Diagnose. Sinnvoll ist meist eine Wiederholung im nächsten Zyklus, dieses Mal mit genauerem Timing, zum Beispiel mithilfe von LH-Tests.
Wenn dein Wert hoch ist
Ein Wert über der Schwelle bestätigt, dass ein Eisprung stattgefunden hat. Über die Qualität deiner Lutealphase oder deine Chance auf eine Schwangerschaft sagt ein einzelner Wert dagegen wenig [1][5]. Ein Wert knapp über der Schwelle bedeutet also nicht automatisch, dass etwas fehlt.
Lutealinsuffizienz: was belegt ist
Viele Frauen lassen Progesteron messen, weil sie eine Gelbkörperschwäche (Lutealinsuffizienz) vermuten, also eine zu kurze oder zu schwache zweite Zyklushälfte. Hier lohnt ein ehrlicher Blick auf die Studienlage:
Kein Wert definiert eine “gesunde” Lutealphase: Es gibt keine Mindestkonzentration von Progesteron, die eine normale oder fruchtbare Lutealphase definiert [5].
Ein einzelner Wert reicht dafür nicht: Progesteron wird stoßweise ausgeschüttet und kann innerhalb weniger Stunden um das bis zu Siebenfache schwanken. Ein einzelner Wert kann einen Eisprung bestätigen, aber nicht die Qualität der Lutealphase beurteilen [1].
Keine nachgewiesene eigenständige Ursache: Nach der 2026 aktualisierten Stellungnahme der ASRM ist die Lutealinsuffizienz nicht als eigenständige Ursache für unerfüllten Kinderwunsch oder wiederholte Fehlgeburten belegt [6].
Keine belegte Behandlung im natürlichen Zyklus: Für Zyklen ohne Kinderwunschbehandlung ist bislang keine Therapie der Lutealinsuffizienz nachgewiesen, die die Schwangerschaftsrate verbessert [5].
In Studien wird eine “biochemische” Lutealinsuffizienz teils bei Werten von 5 ng/ml oder weniger angenommen. In einer Studie mit regelmäßig menstruierenden Frauen betraf das etwa 8 Prozent der Zyklen mit Eisprung, und nur selten trat es wiederholt auf [8]. Ein solcher Befund ist ein Anlass, genauer hinzusehen, etwa nach der Schilddrüse oder dem Prolaktin, aber kein Grund zur Sorge auf Basis eines einzigen Werts. Mehr zur Schilddrüse liest du in Schilddrüse und TSH bei Kinderwunsch.
Wann ein ärztliches Gespräch sinnvoll ist
Lass deinen Progesteronwert ärztlich einordnen, wenn
dein Wert bei gut getimter Messung in zwei Zyklen niedrig war,
deine Zyklen kürzer als 24 oder länger als 38 Tage sind oder stark schwanken,
du trotz regelmäßigem Zyklus keinen Hinweis auf einen Eisprung findest,
du seit 12 Monaten (ab 35 Jahren seit 6 Monaten) erfolglos versuchst, schwanger zu werden [1],
du Hinweise auf PCOS hast, etwa vermehrte Behaarung, Akne oder seltene Blutungen,
du Fehlgeburten hattest und wissen möchtest, welche Untersuchungen wirklich sinnvoll sind.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Wenn du deinen Wert einordnen lassen möchtest, sprich mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt oder nutze unsere ärztliche Sprechstunde.
Passend dazu
Kontext: Progesteronmangel: Symptome, Ursachen und was der Test zeigt
Kontext: Hormonstatus bei der Frau bestimmen: Welche Werte, welcher Zeitpunkt
Quellen
Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine. Fertility evaluation of infertile women: a committee opinion. Fertil Steril 2021;116(5):1255–1265. PDF
National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Fertility problems: assessment and treatment. NICE guideline NG257, 2026. Volltext
Hull MG, Savage PE, Bromham DR, Ismail AA, Morris AF. The value of a single serum progesterone measurement in the midluteal phase as a criterion of a potentially fertile cycle (“ovulation”) derived from treated and untreated conception cycles. Fertil Steril 1982;37(3):355–360. Abstract
Leiva R, Bouchard T, Boehringer H, Abulla S, Ecochard R. Random serum progesterone threshold to confirm ovulation. Steroids 2015;101:125–129. Abstract
Practice Committees of the American Society for Reproductive Medicine and the Society for Reproductive Endocrinology and Infertility. Diagnosis and treatment of luteal phase deficiency: a committee opinion. Fertil Steril 2021;115(6):1416–1423. Volltext
Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine and Practice Committee of the Society for Reproductive Endocrinology and Infertility. Diagnosis and treatment of luteal phase deficiency: a Committee Opinion. Fertil Steril 2026 (online vor Druck). Abstract
Bull JR, Rowland SP, Berglund Scherwitzl E, Scherwitzl R, Gemzell Danielsson K, Harper J. Real-world menstrual cycle characteristics of more than 600,000 menstrual cycles. NPJ Digit Med 2019;2:83. Volltext
Schliep KC, Mumford SL, Hammoud AO et al. Luteal phase deficiency in regularly menstruating women: prevalence and overlap in identification based on clinical and biochemical diagnostic criteria. J Clin Endocrinol Metab 2014;99(6):E1007–E1014. Volltext
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