PCOS-Test: Wie PCOS (PMOS) festgestellt wird
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Einen einzelnen PCOS-Test gibt es nicht: PCOS, inzwischen PMOS genannt, wird festgestellt, wenn mindestens zwei von drei Kriterien erfüllt und andere Ursachen ausgeschlossen sind [1, 2]. Dafür braucht es deine Zyklusgeschichte, einige Blutwerte aus der frühen Zyklusphase und entweder einen Ultraschall der Eierstöcke oder einen AMH-Wert. Einen Teil davon kannst du zuhause erledigen, einen Teil nur in der Praxis.
Zum Namen: PCOS (polyzystisches Ovarsyndrom) ist der Begriff, den die meisten kennen und nach dem sie suchen. International heißt die Erkrankung seit 2026 PMOS, Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom, und auch die deutsche Patientinnen-Leitlinie verwendet schon den neuen Namen [3]. Warum, erklärt der Beitrag Aus PCOS wird PMOS. Wir schreiben hier beide Namen. Dieser Artikel beschreibt nur den Weg zur Diagnose: was geprüft wird, wann Blut abgenommen wird und wo das geht. Beschwerden, Langzeitfolgen und Behandlung stehen in der Übersicht PCOS (jetzt PMOS): Symptome, Diagnose und Blutwerte.
Was ein PCOS-Test kann – und was nicht
Was er zeigt: ob die einzelnen Bausteine der Diagnose erfüllt sind, also ein Zuviel an männlichen Hormonen, Hinweise auf einen seltenen Eisprung und viele kleine Eibläschen im Ultraschall oder ein erhöhtes AMH [1, 2].
Was er nicht zeigt: die Diagnose auf einen Blick. Kein einzelner Wert beweist PCOS/PMOS, auch nicht das AMH [1, 5]. Und solange andere Ursachen nicht ausgeschlossen sind, ist die Diagnose nicht gestellt [1].
Wofür er sinnvoll sein kann: um einen Verdacht geordnet abzuklären, mit Werten aus dem richtigen Zyklusfenster ins ärztliche Gespräch zu gehen und nach der Diagnose den Stoffwechsel regelmäßig zu kontrollieren [1, 2].
PCOS-Test: die drei Kriterien als Prüfliste
Grundlage ist die 2003 in Rotterdam formulierte Definition. Sie hält ausdrücklich fest, dass kein einzelnes Kriterium für sich allein reicht [5]. Die deutsche Leitlinie von 2025 und die internationale Leitlinie von 2023 bauen darauf auf [1, 2]. Für den Test ist vor allem wichtig, womit jedes Kriterium geprüft wird und ob das auch außerhalb der Praxis möglich ist:
Kriterium | Woran man es erkennt | Wie es geprüft wird | Zuhause möglich? |
|---|---|---|---|
Zu viele männliche Hormone (Hyperandrogenismus) | Vermehrte Behaarung nach männlichem Muster, Akne, Haarausfall am Oberkopf; erhöhte Androgene im Blut | Körperliche Untersuchung mit einem Punktwert für die Behaarung (Ferriman-Gallwey-Score); Blut: Gesamttestosteron, SHBG, Freier Androgenindex, bei Bedarf Androstendion und DHEAS [1] | Blutwerte ja, die Beurteilung von Haut und Behaarung gehört in die Praxis |
Seltener oder fehlender Eisprung | Zyklen wiederholt kürzer als 21 Tage, ab 35 Tagen oder weniger als acht Zyklen im Jahr [1] | Zyklusprotokoll; bei scheinbar regelmäßigen Zyklen kann Progesteron in der zweiten Zyklushälfte helfen [1] | Ja |
Viele kleine Eibläschen (polyzystische Ovarmorphologie, kurz PCOM) | Nur in der Bildgebung sichtbar | Ultraschall der Eierstöcke oder alternativ ein AMH-Wert [1, 2] | Ultraschall nein, AMH ja |
Ausschluss anderer Ursachen | Ähnliche Beschwerden durch andere Erkrankungen | Unter anderem Prolaktin, TSH und fT4, 17-α-Hydroxyprogesteron, FSH und ein Schwangerschaftstest; bei Verdacht weitere Tests [1] | Teilweise |
Für die Diagnose reichen zwei der drei oberen Kriterien. Daraus folgt eine praktische Abkürzung: Hast du unregelmäßige Zyklen und Zeichen zu vieler männlicher Hormone, ist bei Erwachsenen laut internationaler Leitlinie kein Ultraschall für die Diagnose nötig [2]. Umgekehrt entscheidet der Ultraschall oder das AMH dann mit, wenn nur eines der beiden anderen Kriterien erfüllt ist.
Für Jugendliche gelten strengere Regeln. Hier müssen sowohl Zyklusstörungen als auch Zeichen zu vieler männlicher Hormone vorliegen; Ultraschall und AMH sollen nicht zur Diagnose herangezogen werden [2, 3]. Der Grund: In den ersten Jahren nach der ersten Periode haben viele Mädchen ohnehin viele kleine Eibläschen, ohne dass das krankhaft ist [1].
Welche Blutwerte zum PCOS-Test gehören
Die Blutwerte haben zwei Aufgaben. Sie sollen ein Zuviel an männlichen Hormonen nachweisen, und sie sollen andere Erkrankungen ausschließen, die ähnlich aussehen.
Männliche Hormone: Gesamttestosteron, dazu SHBG (sexualhormonbindendes Globulin, ein Eiweiß, das Testosteron im Blut bindet) und der daraus berechnete Freie Androgenindex. Androstendion und DHEAS kommen bei Bedarf dazu [1]. Die internationale Leitlinie empfiehlt für Testosteron ein besonders genaues Messverfahren, die Massenspektrometrie (LC-MS/MS) [2]. Was die Werte bedeuten, erklärt der Beitrag Testosteron bei der Frau.
Werte zum Ausschluss anderer Ursachen: Prolaktin (Milchbildungshormon), TSH und fT4 (Schilddrüse), 17-α-Hydroxyprogesteron (Hinweis auf eine angeborene Störung der Nebennieren), FSH (vorzeitiges Nachlassen der Eierstockfunktion) und hCG (Schwangerschaft) [1].
AMH (Anti-Müller-Hormon): kann den Ultraschall als drittes Kriterium ersetzen, aber nicht allein die Diagnose tragen [1, 2]. Mehr dazu weiter unten.
Wichtig ist, was nicht auf der Liste steht. Werte zur Insulinresistenz wie der HOMA-IR gehören laut deutscher Leitlinie außerhalb von Studien nicht zur Diagnostik [1]. Den Zuckerstoffwechsel prüft man stattdessen mit Blutzucker, Langzeitwert HbA1c oder einem Zuckerbelastungstest, und zwar erst dann, wenn die Diagnose steht (siehe unten).
An welchem Zyklustag getestet wird
Der Zeitpunkt entscheidet darüber, ob ein Wert überhaupt auswertbar ist. Für den PCOS-Test gelten drei Regeln.
Die meisten Werte: frühe erste Zyklushälfte
In der Laborpraxis wird für die Hormonwerte bei PCOS-Verdacht eine Blutentnahme in der frühen Follikelphase empfohlen, also am 2. bis 5. Zyklustag, gezählt ab dem ersten Tag der Blutung [4]. Besonders wichtig ist das für 17-α-Hydroxyprogesteron: Die deutsche Leitlinie empfiehlt, es morgens in der ersten Zyklushälfte zu messen, weil der Wert in der zweiten Zyklushälfte bei etwa der Hälfte gesunder Frauen erhöht ist [1]. Wie die Zyklusphasen zusammenhängen, zeigt der Beitrag Zyklus-Phasen.
Progesteron: zweite Zyklushälfte
Wenn deine Zyklen regelmäßig wirken, aber trotzdem der Verdacht besteht, dass kein Eisprung stattfindet, kann Progesteron in der zweiten Zyklushälfte bestimmt werden [1, 3]. Dieser Wert beantwortet eine andere Frage als die übrigen und braucht deshalb einen eigenen Termin, meist etwa eine Woche vor der erwarteten Periode.
Lange Zyklen, keine Periode oder Pille
Bleibt die Periode lange aus, gibt es keinen ersten Zyklustag, an dem man sich orientieren kann. Dann wird zuerst eine Schwangerschaft ausgeschlossen [1], und der Zeitpunkt der Blutentnahme wird ärztlich festgelegt.
Nimmst du die Pille, sind die männlichen Hormone kaum zu beurteilen: Die kombinierte Pille erhöht SHBG und dämpft die Bildung männlicher Hormone [2]. Ist die Messung wirklich nötig, empfiehlt die internationale Leitlinie, die Pille mindestens drei Monate vorher abzusetzen und in dieser Zeit anders zu verhüten [2]. Setz die Pille dafür bitte nicht auf eigene Faust ab, sondern plane das mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Selbsttest zuhause oder Frauenärztin: was jeweils möglich ist
Ein PCOS-Selbsttest mit Blutentnahme aus der Fingerbeere kann im Labor dieselben Hormone bestimmen, die auch in der Praxis gemessen werden; frag dabei nach, mit welchem Messverfahren Testosteron bestimmt wird. Was er nicht leisten kann, ist alles, was eine Untersuchung braucht. Wie sich die beiden Wege allgemein unterscheiden, beschreibt der Beitrag Hormontest zuhause oder beim Frauenarzt.
Zuhause möglich:
ein Zyklusprotokoll über mehrere Monate, das oft schon das zweite Kriterium klärt
männliche Hormone, SHBG und Freier Androgenindex zum passenden Zyklustag
AMH als Ersatz für den Ultraschall
ein Teil der Ausschlusswerte, etwa TSH oder Prolaktin
Nur in der Praxis möglich:
der Ultraschall der Eierstöcke; am genauesten ist er, wenn er durch die Scheide erfolgt (transvaginal) [2]
die Beurteilung von Behaarung, Haut und Haarausfall mit standardisierten Punktwerten [1]
weiterführende Tests, etwa ein Zuckerbelastungstest oder Funktionstests der Nebenniere [1]
das Zusammenführen aller Befunde zur Diagnose
Ein Selbsttest kann also einen Verdacht erhärten oder abschwächen und dafür sorgen, dass du mit verwertbaren Zahlen in den Termin gehst. Die Diagnose stellt er nicht.
Ultraschall und AMH: was die Leitlinie 2023 sagt
Für das dritte Kriterium gibt es zwei Wege. Im Ultraschall gelten bei Erwachsenen 20 oder mehr kleine Eibläschen (2 bis 9 mm) in mindestens einem Eierstock als auffällig; bei älteren Geräten wird ersatzweise ein Eierstockvolumen ab 10 Millilitern herangezogen [2]. Die deutsche Leitlinie nennt dieselbe Schwelle für eine hochauflösende 8-MHz-Sonde und 12 Eibläschen für eine gröbere 5-MHz-Sonde [1].
Neu in der internationalen Leitlinie von 2023 ist, dass das AMH den Ultraschall ersetzen darf. AMH wird von den kleinen Eibläschen gebildet; sind viele davon vorhanden, ist der Wert hoch. Die Leitlinie hält dazu drei Dinge fest [2]:
Entweder AMH oder Ultraschall, nicht beides. Wer beides macht, erhöht das Risiko einer Überdiagnose.
Kein AMH bei Jugendlichen. Hier soll AMH noch nicht verwendet werden.
Keine allgemeingültige Grenze. Labore sollen Grenzwerte verwenden, die zu ihrem Messverfahren und ihrer Bevölkerungsgruppe passen.
Die deutsche Leitlinie formuliert zurückhaltender: AMH kann als Ersatzwert dienen, sollte aber aktuell nicht als alleiniges Merkmal zur Diagnose genutzt werden, weil sich die Werte von Frauen mit und ohne PCOS stark überschneiden [1]. Ein hohes AMH allein ist also kein PCOS-Befund. Es sagt übrigens auch nicht, dass du „besonders fruchtbar” bist; was der Wert sonst bedeutet, steht im Beitrag AMH-Wert verstehen.
Was nach einem auffälligen Befund passiert
Ein auffälliger Wert ist der Anfang der Abklärung, nicht das Ende. In der Praxis laufen danach meist diese Schritte:
Befunde zusammenführen. Zyklus, Hautbefund, Blutwerte und Ultraschall oder AMH werden gemeinsam bewertet. Die deutsche Leitlinie empfiehlt, dabei auch das Erscheinungsbild (Phänotyp A bis D) festzuhalten, weil die Varianten mit erhöhten männlichen Hormonen häufiger mit Stoffwechselproblemen einhergehen [1].
Andere Ursachen ausschließen. Sind etwa Prolaktin oder 17-α-Hydroxyprogesteron auffällig, folgen gezielte weitere Tests, bevor die Diagnose gestellt wird [1].
Stoffwechsel prüfen. Steht die Diagnose, soll der Zuckerstoffwechsel bei allen Betroffenen untersucht werden, je nach Risiko danach alle ein bis drei Jahre [1, 2]. Zusätzlich empfiehlt die internationale Leitlinie bei der Diagnose ein Blutfettprofil [2]. Planst du eine Schwangerschaft oder eine Kinderwunschbehandlung, soll ein Zuckerbelastungstest angeboten werden [2].
Behandlung besprechen. Was infrage kommt, hängt davon ab, was dich am meisten belastet: Zyklus, Haut, Gewicht oder Kinderwunsch. Einen Überblick gibt der Beitrag PCOS (jetzt PMOS).
Und wenn die Kriterien nicht erfüllt sind? Dann ist das auch ein Ergebnis. Bei Jugendlichen, die nur einen Teil der Kriterien erfüllen, empfiehlt die deutsche Patientinnen-Leitlinie, sie als Risikopatientinnen einzustufen und nach drei und acht Jahren nach der ersten Periode erneut zu bewerten [3].
Wann ein ärztliches Gespräch sinnvoll ist
Wenn deine Zyklen wiederholt kürzer als 21 Tage oder länger als 35 Tage sind oder du weniger als acht Perioden im Jahr hast.
Wenn deine Periode ausbleibt und eine Schwangerschaft ausgeschlossen ist.
Wenn vermehrte Behaarung, hartnäckige Akne oder Haarausfall neu auftreten oder rasch zunehmen; ein schnelles Fortschreiten gehört zügig abgeklärt [1].
Wenn du einen auffälligen Testosteron- oder AMH-Wert hast und nicht weißt, wie er zu bewerten ist.
Wenn du einen Kinderwunsch hast und dein Zyklus unregelmäßig ist.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Ein Selbsttest ist kein Diagnoseinstrument: Er liefert Messwerte, die zusammen mit deinem Zyklus, deinen Beschwerden und gegebenenfalls einem Ultraschall ärztlich eingeordnet werden müssen.
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Überblick über Beschwerden und Behandlung: PCOS (jetzt PMOS): Symptome, Diagnose und Blutwerte
Warum die Erkrankung umbenannt wurde: Aus PCOS wird PMOS
Was der Wert sonst aussagt: AMH-Wert verstehen
Befunde gemeinsam besprechen: ärztliche Online-Sprechstunde
Quellen
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) mit BDI. Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS). S2k-Leitlinie, AWMF-Registriernummer 089-004, Version 1.1, 2025. PDF
Teede HJ, Tay CT, Laven J et al. Recommendations from the 2023 International Evidence-based Guideline for the Assessment and Management of Polycystic Ovary Syndrome. Human Reproduction 2023;38(9):1655–1679. Volltext
Patientinnen-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Polyendokrinen Metabolischen Ovarialsyndroms (PMOS, ehemals PCOS). AWMF-Registernummer 089-004, Juni 2026. PDF
Dawson A, Schill T. Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS): Frühzeitig erkennen und behandeln. LaborAktuell, Limbach Gruppe SE, Stand Februar 2023. PDF
The Rotterdam ESHRE/ASRM-sponsored PCOS consensus workshop group. Revised 2003 consensus on diagnostic criteria and long-term health risks related to polycystic ovary syndrome (PCOS). Human Reproduction 2004;19(1):41–47. Abstract
PCOS-Werte bestimmen und ärztlich einordnen lassen
Du kannst die Blutwerte, die zur Abklärung eines PCOS-Verdachts gehören, mit Fertia bestimmen und anschließend ärztlich einordnen lassen. Den Ultraschall ersetzt das nicht, es bereitet aber das Gespräch in der Praxis gut vor.




