Aus PCOS wird PMOS – warum der neue Name so wichtig ist
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Am 12. Mai 2026 wurde im Fachjournal The Lancet das Ergebnis eines der größten Umbenennungsprozesse der Medizingeschichte veröffentlicht: Aus dem Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) wird das Polyendokrine Metabolische Ovarialsyndrom – kurz PMOS [1].
Wir bei Fertia führen den neuen Namen bewusst früh. Weil viele Frauen aber weiter nach „PCOS“ suchen, nennen wir beide Bezeichnungen – und erklären hier, warum die Änderung mehr ist als Kosmetik, was sich für Betroffene ändert und was ausdrücklich gleich bleibt.
Warum der alte Name problematisch war
„Polyzystisches Ovarialsyndrom“ klingt, als wäre das zentrale Problem eine Ansammlung von Zysten auf den Eierstöcken. Genau das trifft nicht zu.
Was im Ultraschall zu sehen ist, sind keine krankhaften Zysten, sondern viele kleine, nicht vollständig herangereifte Eibläschen (Follikel). Die deutsche Patientinnen-Leitlinie zum neuen Namen hält genau das fest: Der neue Name soll besser deutlich machen, dass es sich nicht um echte Zysten handelt [2].
Der bisherige Name lenkte den Blick damit auf die Eierstöcke – und ließ außer Acht, dass mehrere Hormonsysteme und der Stoffwechsel beteiligt sind, mit Auswirkungen unter anderem auf Gewicht, Haut, Zyklus und Fruchtbarkeit.
Was der neue Name beschreibt
Polyendokrin – „endokrin“ bedeutet „die Hormondrüsen betreffend“, „poly“ heißt „viele“. Gemeint ist: Es sind mehrere hormonproduzierende Systeme beteiligt, nicht nur die Eierstöcke.
Metabolisch – also den Stoffwechsel betreffend. Insulinwirkung, Blutzucker und Blutfette gehören zum Krankheitsbild dazu und sind nicht bloße Begleiterscheinungen.
Ovarialsyndrom – die Eierstöcke spielen weiterhin eine Rolle, etwa beim ausbleibenden oder unregelmäßigen Eisprung. Sie sind aber nicht der einzige Schauplatz.
Wie die Entscheidung zustande kam
Die Umbenennung war kein schneller Entschluss, sondern das Ergebnis eines mehrstufigen internationalen Konsensprozesses über rund ein Jahrzehnt [1]. Beteiligt waren laut Publikation 56 Fachgesellschaften und Patientinnenorganisationen weltweit [1].
Eingesetzt wurden strukturierte wissenschaftliche Verfahren zur Konsensfindung: modifizierte Delphi-Methoden, bei denen Beteiligte in mehreren Runden anonym bewerten und die Ergebnisse jeweils zurückgespiegelt werden, sowie Workshops nach der Nominal-Group-Technik [1]. Allein in der abschließenden Befragungsrunde gingen rund 14.400 Rückmeldungen ein – der größere Teil davon von Betroffenen selbst [1]. Über alle Runden seit 2015 summieren sich die Rückmeldungen auf mehr als 22.000.
In der finalen Bewertung setzte sich der neue Name deutlich durch: Er wurde von 66 % der Betroffenen und 57 % der Gesundheitsfachleute am höchsten bewertet; im abschließenden Votum stimmten 87 von 90 Stimmberechtigten sofort dafür.
Geleitet wurde der Prozess von Prof. Helena Teede von der Monash University in Australien gemeinsam mit internationalen Kolleginnen und Kollegen [1]. Betroffen sind weltweit rund 170 Millionen Frauen – die Publikation spricht von etwa einer von acht [1].
Wer den neuen Namen bereits übernommen hat
Der britische Gesundheitsdienst NHS führt seine Informationsseite seit Juni 2026 unter dem Namen PMOS und weist darauf hin, dass die Erkrankung früher polyzystisches Ovarialsyndrom hieß [3].
Die amerikanische Fachgesellschaft für Reproduktionsmedizin ASRM hat die Umbenennung offiziell unterstützt [4].
Im deutschsprachigen Raum erschien im Juni 2026 eine Patientinnen-Leitlinie unter dem Titel „Diagnostik und Therapie des Polyendokrinen Metabolischen Ovarialsyndroms (PMOS, ehemals PCOS)“ [2].
Gleichzeitig gilt: Die deutschsprachige Fachleitlinie von 2025 trägt noch den alten Namen [5], und viele Laborbefunde und Arztbriefe werden das ebenfalls noch eine Weile tun. Beides nebeneinander zu sehen ist in dieser Übergangszeit normal.
Was sich für die Diagnose ändert: nichts
Das ist der wichtigste Punkt für Betroffene. Die deutsche Patientinnen-Leitlinie formuliert unverändert: Die Diagnose eines PMOS soll nach der modifizierten Rotterdam-Definition gestellt werden, wenn mindestens zwei von drei Merkmalen vorliegen [2]. Diese drei Merkmale sind:
Zeichen für ein Zuviel an männlichen Hormonen – sichtbar etwa an vermehrter Körperbehaarung, Akne oder Haarausfall, und/oder messbar im Blut.
Ein gestörter Eisprung, erkennbar an unregelmäßigen Zyklen.
Viele kleine Eibläschen in den Eierstöcken im Ultraschall und/oder ein hoher AMH-Wert.
„Modifiziert“ heißt die Definition deshalb, weil seit 2023 der AMH-Wert alternativ zum Ultraschall zulässig ist [5]. Bei Jugendlichen sollen die Kriterien ausdrücklich nicht angewendet werden [2]. Was im Einzelnen bestimmt wird, liest du ausführlich im Überblicksbeitrag PCOS (jetzt PMOS).
Was der neue Name bewirken soll
Die Hoffnung hinter der Umbenennung ist, dass ein präziserer Name das Krankheitsbild besser abbildet: dass die Diagnose schneller gestellt wird, dass der Stoffwechsel von Anfang an mitbedacht wird und dass der irreführende Zystenbegriff verschwindet. Ob sich diese Erwartungen erfüllen, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen – belegt ist bislang der Konsensprozess selbst, nicht sein Effekt auf die Versorgung.
Warum wir den neuen Namen schon jetzt verwenden
Ein Namenswechsel in der Medizin setzt sich selten von allein durch. Er wirkt erst, wenn ihn diejenigen aufgreifen, die täglich mit Betroffenen sprechen und schreiben – Praxen, Fachgesellschaften, Labore und eben auch Gesundheitsportale.
Wir haben uns deshalb entschieden, PMOS von Anfang an als die zutreffende Bezeichnung zu führen. Gleichzeitig nennen wir weiterhin „PCOS“ in Überschriften und Suchbegriffen – schlicht deshalb, weil praktisch alle Betroffenen danach suchen und niemand einen Text finden soll, der unter einem Namen steht, den sie noch nicht kennt. Das ist kein Widerspruch, sondern die Übergangszeit in der Praxis.
Für dich heißt das: Wenn dir auf einem Befund „PCOS“ und in einem Artikel „PMOS“ begegnet, meint beides dieselbe Erkrankung. Es lohnt sich, den neuen Namen zu kennen – spätestens ab 2028 wird er der übliche sein.
Wann ein ärztliches Gespräch sinnvoll ist
Wenn deine Zyklen wiederholt unregelmäßig sind oder ausbleiben.
Wenn vermehrte Körperbehaarung, hartnäckige Akne oder Haarausfall neu auftreten.
Wenn du einen Kinderwunsch hast und dein Zyklus unregelmäßig ist.
Wenn du eine PCOS-Diagnose hast und wissen möchtest, was der neue Name für dich bedeutet – die kurze Antwort lautet: für deine Behandlung nichts.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Ein Selbsttest ist kein Diagnoseinstrument: Er liefert Messwerte, die zusammen mit Beschwerden, Zyklusverlauf und Ultraschall ärztlich eingeordnet werden müssen.
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Quellen
Teede HJ, Bahri Khomami M, Morman R et al. Polyendocrine metabolic ovarian syndrome, the new name for polycystic ovary syndrome: a multistep global consensus process. The Lancet 2026;407(10545):2329–2339. DOI 10.1016/S0140-6736(26)00717-8. Online veröffentlicht am 12. Mai 2026. Zur Publikation
Patientinnen-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Polyendokrinen Metabolischen Ovarialsyndroms (PMOS, ehemals PCOS). AWMF-Registernummer 089-004, Stand Juni 2026. Zur Leitlinie
NHS. Polyendocrine metabolic ovarian syndrome (PMOS). Stand 30. Juni 2026. Zur Seite
American Society for Reproductive Medicine. PCOS is Now PMOS: Understanding the Name Change. 27. Mai 2026. Zur Meldung
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) mit BDI. Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS). S2k-Leitlinie, AWMF-Registriernummer 089-004, Kurzfassung Version 1.1, Juni 2025. Trägt noch die alte Bezeichnung. PDF
Teede HJ, Tay CT, Laven J et al. Recommendations from the 2023 International Evidence-based Guideline for the Assessment and Management of Polycystic Ovary Syndrome. Human Reproduction 2023;38(9):1655–1679. DOI 10.1093/humrep/dead156. Volltext
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