Chronische Endometritis bei Kinderwunsch und Fehlgeburten

Chronische Endometritis bei Kinderwunsch und Fehlgeburten

Die chronische Endometritis ist eine anhaltende, meist subklinisch verlaufende Entzündung der Schleimhaut der Gebärmutter (Endometrium). Sie kann unbemerkt bleiben, spielt jedoch zunehmend eine bedeutende Rolle in der Reproduktionsmedizin. Studien zeigen, dass diese Form der Entzündung mit einer verminderten Fruchtbarkeit in Zusammenhang stehen kann und möglicherweise zur Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch zählt. Insbesondere bei Frauen mit wiederholten Fehlgeburten oder ausbleibendem Schwangerschaftseintritt – sowohl auf natürlichem Wege als auch im Rahmen assistierter Reproduktionstechniken wie der In-vitro-Fertilisation (IVF) oder intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) – sollte eine chronische Endometritis in die differenzialdiagnostische Abklärung einbezogen werden.

‍Was ist eine chronische Endometritis?

Chronische Endometritis bezeichnet einen anhaltenden entzündlichen Zustand der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium). Obwohl diese Erkrankung relativ häufig vorkommt, bleibt sie häufig unentdeckt, da sie oftmals symptomfrei verläuft. Die berichtete Prävalenz variiert dabei erheblich: Während eine Übersichtsarbeit, die 12 Studien zusammenfasste, eine Rate von rund 30 % bei Frauen mit wiederholten Fehlgeburten angab, finden sich in anderen Untersuchungen Prävalenzzahlen zwischen 10 und 15 % bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch.

Diagnoseverfahren
Die Diagnose wird üblicherweise durch eine Endometriumbiopsie gestellt. Hierbei wird eine kleine Gewebeprobe der Gebärmutterschleimhaut entnommen – entweder im Rahmen einer regulären gynäkologischen Untersuchung oder während einer Hysteroskopie. In der histologischen Auswertung der Probe wird insbesondere nach Plasmazellen gesucht, die als zuverlässiger Hinweis auf eine chronische Entzündung gelten. Moderne Diagnoseverfahren nutzen zudem den immunhistochemischen Nachweis, bei dem Antikörper gegen das spezifische Plasmazell-Antigen CD138 eingesetzt werden, um die Anwesenheit dieser Zellen präzise festzustellen.

Therapie und Erfolgskontrolle
Wird eine chronische Endometritis bestätigt, erfolgt in der Regel eine Behandlung mit Antibiotika, da diese gezielt bakterielle Infektionen bekämpfen und so die Entzündung effektiv zurückbilden können. Studien belegen, dass sich etwa 90 % der Patientinnen durch diese Therapie erfolgreich erholen. Zur Sicherstellung des Therapieerfolgs wird häufig nach Abschluss der Antibiotikabehandlung erneut eine Endometriumbiopsie durchgeführt, um zu verifizieren, dass die Entzündung vollständig abgeklungen ist.

Zusätzlich zur Diagnose und Behandlung kann es sinnvoll sein, weiterführende Untersuchungen in Betracht zu ziehen, um mögliche zugrunde liegende Faktoren zu identifizieren, die den Verlauf der Endometritis beeinflussen. Dies kann insbesondere im Kontext von Fertilitätsproblemen von Bedeutung sein, da eine frühzeitige Erkennung und adäquate Behandlung der Endometritis die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft – sei es auf natürlichem Wege oder im Rahmen assistierter Reproduktionstechniken wie IVF oder ICSI – deutlich verbessern kann.

Schwangerschaft nach chronischer Endometritis

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die gezielte Behandlung einer chronischen Endometritis einen positiven Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben kann. Nach erfolgreicher Therapie steigen sowohl die Chancen, überhaupt schwanger zu werden, als auch die Wahrscheinlichkeit, eine Schwangerschaft bis zur Geburt aufrechtzuerhalten. Besonders profitieren Frauen mit einer Vorgeschichte wiederholter Fehlgeburten von der Behandlung, da durch das Abklingen der Entzündung die Gebärmutterschleimhaut ein günstigeres Umfeld für die Einnistung und Entwicklung der Schwangerschaft bietet.

Written by
PD Dr. Dr. Kilian Vomstein
PD Dr. Dr. Kilian Vomstein

Mein beruflicher Schwerpunkt ist der Umgang mit unerfülltem Kinderwunsch und wiederholten Fehlgeburten, in dem ich umfassende klinische und wissenschaftliche Erfahrungen gesammelt habe. Ich strebe danach, für jedes Paar individuelle Lösungen zu finden.