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Eizellreserve
Die Anzahl der Eizellen ist bei der Frau mit der Geburtfestgelegt. Es werden im Laufe des Lebens keine neuen Eizellen gebildet. DieEizellreserve einer Frau liefert Aufschluss über die Menge an verbleibendenEizellen in ihren Eierstöcken und ist ein wichtiger Faktor für die Beurteilungihrer Fruchtbarkeit. Mit fortschreitendem Alter nimmt die Eizellreserve ab, wasdie Chancen auf eine natürliche Empfängnis beeinflussen kann. Die Messung derEizellreserve erfolgt durch spezifische Bluttests und Ultraschalluntersuchungen.
Ein häufig verwendeter Bluttest ist die Bestimmung desAnti-Müller-Hormons (AMH), das direkt mit der Anzahl der verbleibenden Eizellenkorreliert. Ein niedriger AMH-Wert deutet auf eine reduzierte Eizellreservehin.
Zusätzlich kann mittels Ultraschall die Anzahl der antralenFollikel (kleine Follikel) in den Eierstöcken gezählt werden. Eine geringeAnzahl dieser Follikel ist ein weiterer Hinweis auf eine niedrigeEizellreserve.
Diese Tests sind besonders nützlich für Frauen, die Problemebeim Schwanger werden haben oder sich über ihre Fruchtbarkeit informierenmöchten. Sie können auch hilfreich sein, um die Erfolgsaussichten einerFruchtbarkeitsbehandlung besser einzuschätzen. Wichtig ist jedoch, dass dieErgebnisse dieser Tests von einer/einem spezialisierten Ärztin/Arztinterpretiert werden, um eine umfassende Beratung zu gewährleisten.
Anti-Müller Hormon (AMH)
Das Anti-Müller Hormon (AMH) ist ein Marker für dieEizellreserve, d.h. für die Anzahl der verbliebenen Eizellen in denEierstöcken.
Entdeckung von AMH
Das Anti-Müller-Hormon (AMH) wurde in den 1940er Jahren vonAlfred Jost entdeckt, einem französischen Biologen und Pionier in derembryonalen Sexualentwicklung. Jost führte Experimente an Kaninchen durch undstellte fest, dass die Entfernung der Hoden bei männlichen Föten zur Entwicklungvon weiblichen Geschlechtsorganen führte. Er folgerte, dass ein Faktor in denHoden (später als AMH identifiziert) die Entwicklung der weiblichenReproduktionsstrukturen unterdrückt.
In den 1980er und 1990er Jahren wurde AMH weiter erforschtund seine Bedeutung für die Eierstockfunktion bei Frauen erkannt. Heute wirdder AMH-Bluttest häufig in der Reproduktionsmedizin eingesetzt, um dieEizellreserve bei Frauen zu beurteilen, insbesondere bei der Planung vonFruchtbarkeitsbehandlungen wie der In-vitro-Fertilisation (IVF) oder derIntrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI).
Was ist AMH?
Das Anti-Müller-Hormon (AMH) ist ein Protein (Eiweiß), daseine wichtige Rolle in der Entwicklung der Geschlechtsorgane während derFetalphase und der Regulierung der Eizellreserve bei Frauen spielt. Es wird inden sogenannten Granulosazellen der kleinen antralen Follikeln in denEierstöcken produziert.
AMH hemmt die Entwicklung der Müller-Gänge, die beimännlichen Feten zur Bildung der weiblichen Geschlechtsorgane führen würden.Bei Frauen ist die AMH-Konzentration ein Indikator für die Anzahl der verbliebenenEizellen (die ovarielle Reserve) und kann somit als Marker für dieFruchtbarkeit verwendet werden.
Diagnostik: Blutentnahmezwischen dem 2. und 5. Zyklustag (im Rahmen der basalen Hormone).
Antraler Follikel-Count (AFC)
Der antrale Follikel Count (AFC) ist eine Methode zur Abschätzungder ovariellen Reserve und damit ein wichtiger Faktor bei derFruchtbarkeitsbewertung. Mittels (transvaginalen) Ultraschalles werden dieantralen Follikel gezählt. Die Untersuchung erfolgt in der Regel früh imMenstruationszyklus.
Was ist der Antrale Follikel Count (AFC)?
Der Antrale Follikel Count (AFC) ist eine Ultraschalluntersuchung,bei der die Anzahl der antralen Follikel in den Eierstöcken gezählt wird.Antrale Follikel sind kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen, die Eizellenenthalten. Sie sind im frühen Stadium der Eizellreifung und können mit Ultraschallsichtbar gemacht werden.
Wie wird der AFC gemessen?
Die Messung erfolgt in der Regel am Anfang desMenstruationszyklus, meist zwischen dem 2. und 5. Zyklustag. Eine Ärztin oderein Arzt führt einen Ultraschall durch, oft transvaginal, um eine klare Sichtauf die Eierstöcke zu erhalten. Dann wird die Anzahl der antralen Follikel injedem Eierstock gezählt.
Bedeutung des AFC
Der AFC gibt Aufschluss über die ovarielle Reserve, also dieMenge an verfügbaren Eizellen, und ist ein wichtiger Indikator für dieFruchtbarkeit einer Frau. Eine höhere Anzahl an antralen Follikeln deutet imAllgemeinen auf eine bessere Eizellreserve und damit eine höhere Fruchtbarkeithin. Umgekehrt kann eine niedrige Anzahl auf eine reduzierte Fruchtbarkeithinweisen.
Wichtige Aspekte zum AFC
Fruchtbarkeitsbewertung: Der AFC ist ein wichtigerBestandteil bei der Bewertung der Fruchtbarkeit, insbesondere bei der Planungeiner Fruchtbarkeitsbehandlung.
Individuelle Variabilität: Es ist wichtig zu betonen, dassdie AFC-Werte von Frau zu Frau variieren können. Was für eine Frau normal ist,kann für eine andere als niedrig gelten.
Keine vollständige Vorhersage: Während der AFC wertvolleInformationen liefert, kann er allein die Fähigkeit, schwanger zu werden, nichtvollständig vorhersagen.
Was bedeutet eine niedrige Eizellreserve?
Eine niedrige Eizellreserve ist oft altersbedingt, kannaber auch durch genetische Faktoren, medizinische Behandlungen, gynäkologischeErkrankungen oder chirurgische Eingriffe verursacht sein. Sie beeinflusst dieFruchtbarkeit, schließt aber eine Schwangerschaft nicht aus.Fruchtbarkeitsbehandlungen wie IVF können möglicherweise helfen. Es istentscheidend, mit deiner Ärztin/Arzt über deine spezifische Situation undmögliche Schritte zu sprechen.
Eine niedrige Eizellreserve bedeutet, dass die Anzahl derverfügbaren Eizellen in den Eierstöcken geringer ist als erwartet. Dies kannverschiedene Ursachen haben und variiert stark je nach Alter und individuellenGesundheitsfaktoren.
Häufige Ursachen einer niedrigen Eizellreserve:
1. Natürlicher Alterungsprozess: Mit zunehmendem Alterverringert sich die Anzahl der Eizellen natürlich. Ab Mitte 30 beschleunigtsich dieser Prozess, und die Qualität der verbleibenden Eizellen nimmtebenfalls ab.
2. Genetische Faktoren: In einigen Fällen kann einegenetische Veranlagung zu einer niedrigeren Eizellreserve führen.
3. Medizinische Behandlungen: Chemotherapie, Bestrahlungoder andere medizinische Behandlungen können die Eizellreserve beeinträchtigen,da sie die Eierstöcke schädigen können.
4. Gynäkologische Erkrankungen: Zustände wie Endometriosekönnen die Eierstockfunktion beeinträchtigen und zu einer niedrigerenEizellreserve führen.
5. Chirurgische Eingriffe: Operationen an den Eierstöcken,wie beispielsweise das Entfernen von Zysten, können ebenfalls die Anzahl derverfügbaren Eizellen verringern.
Eine niedrige Eizellreserve bedeutet nicht automatisch, dasseine Schwangerschaft unmöglich ist. Wenn du bereits unregelmäßig Zyklen hast,kann es jedoch sein, dass es länger dauert, schwanger zu werden. UnterstützendeMaßnahmen wie Fruchtbarkeitsbehandlungen können erforderlich sind. In solchenFällen können Methoden wie IVF hilfreich sein, da sie die Eierstöckestimulieren, um die Entwicklung mehrerer Eizellen zu fördern.
Wichtig ist es, mit deiner Ärztin/Arzt über deineindividuelle Situation zu sprechen. Sie kann dir helfen zu verstehen, wie sicheine niedrige Eizellreserve auf deine Fruchtbarkeit auswirkt und welcheOptionen du hast. Viele Frauen werden trotz einer niedrigen Eizellreserveschwanger, daher ist es wichtig, die Hoffnung nicht aufzugeben und sich überalle möglichen Wege zu informieren.
VorzeitigeEierstockinsuffizienz (Premature Ovarian Failure, POF)
Vorzeitige Eierstockinsuffizienz (POF) ist eine Störung,bei der die Eierstöcke einer Frau vor dem 40. Lebensjahr aufhören, normal zufunktionieren, was zu Menopause-ähnlichen Symptomen führt. Diagnostiziert wirdPOF durch Hormontests und manchmal Ultraschalluntersuchungen, Auch könnengenetische Analyse ergänzend durchgeführt werden. Ursachen sind oft genetischoder autoimmun, können aber auch von Umweltfaktoren oder medizinischenBehandlungen herrühren. Behandlungen fokussieren sich auf Symptomlinderung undFruchtbarkeitserhaltung.
Die vorzeitige Eierstockinsuffizienz, auch bekannt alsvorzeitiges Ovarialversagen oder Premature Ovarian Failure (POF), ist eineErkrankung, bei der die Eierstöcke einer Frau vor dem 40. Lebensjahr ihrenormale Funktion einstellen. Dies kann zu einem verminderten oder völligenAusbleiben des Eisprungs und zu einer reduzierten Produktion von Sexualhormonenführen.
Symptome und Diagnose:
Die Symptome von POF ähneln oft denen der Menopause(Wechseljahre) und können unregelmäßige oder ausbleibende Menstruationen,Hitzewallungen, Nacht- und Stimmungsschwankungen umfassen. Um POF zudiagnostizieren, führt deine Ärzt*in in der Regel Bluttests durch, umHormonspiegel zu messen, insbesondere das Follikelstimulierende Hormon (FSH)und das Anti-Müller-Hormon (AMH). Ein erhöhter FSH-Spiegel bei gleichzeitigniedrigem AMH-Wert und klinischen Symptomen wie ausbleibender oderunregelmäßiger Periode oder Hitzewallungen kann auf POF hinweisen.
Ursachen:
Die Ursachen für POF sind vielfältig und können genetischeFaktoren, Autoimmunerkrankungen, Umweltfaktoren oder die Folge medizinischerBehandlungen wie Chemotherapie oder Bestrahlung sein.
Untersuchungen und Behandlung:
Zur genauen Diagnose können neben Hormontests auchUltraschalluntersuchungen der Eierstöcke und genetische Tests erforderlichsein. Die Behandlung von POF konzentriert sich auf die Linderung der Symptomeund den Schutz vor langfristigen Auswirkungen und Gesundheitsrisiken wieOsteoporose. Hormonersatztherapien können verschrieben werden, um die fehlendenHormone zu ersetzen. Darüber hinaus kann deine Ärzt*in auch Maßnahmen zurErhaltung der Fruchtbarkeit, wie das Einfrieren von Eizellen oder Embryonen,empfehlen, falls du zukünftig eine Schwangerschaft planst. Die Möglichkeitenund Optionen der Behandlungen sind sehr vielfältig, so dass immer eineindividuelle ärztliche Beratung durch Spezialist*innen erfolgen sollte.

Ich bin Professor und Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe mit Schwerpunkt in Gynäkologischer Endokrinologie und Reproduktionsmedizin.