30 % weniger Präeklampsie: Wie ein Bluttest in der 36. Woche Leben retten kann

30 % weniger Präeklampsie: Wie ein Bluttest in der 36. Woche Leben retten kann

Am 4. Dezember 2025 veröffentlichte das Fachjournal The Lancet die Ergebnisse des PREVENT-PE-Trials: Erstmals konnte gezeigt werden, dass Präeklampsie am Termin durch gezieltes Screening und geplante Frühgeburt um 30 % reduziert werden kann – ohne zusätzliche Risiken für Mutter und Kind.

Was ist Präeklampsie – und warum ist sie so gefährlich?

Präeklampsie ist eine Bluthochdruckerkrankung, die während der Schwangerschaft auftritt – meistens im letzten Trimester oder direkt nach der Geburt. Weltweit gibt es jedes Jahr rund 46.000 Müttersterbefälle und 500.000 Todesfälle bei Neugeborenen durch Präeklampsie. Betroffen sind 2–8 % aller Schwangerschaften.

Das Tückische: Es gab Möglichkeiten, frühe Präeklampsie (vor der 37. Woche) durch Aspirin zu reduzieren. Für Präeklampsie am Termin fehlte aber jede wirksame Präventionsstrategie – bis jetzt.

Die entscheidende Lücke: Präeklampsie am Termin

Die meisten Fälle treten erst nach der 37. Schwangerschaftswoche auf. Bisher konnten Ärzt:innen nur reagieren – nicht vorausschauend handeln. Eine neue Studie ändert das grundlegend.

Der PREVENT-PE-Trial: Screenen, einordnen, handeln

Der PREVENT-PE-Trial, geleitet von Forschenden des King’s College London, untersuchte: Lässt sich das Präeklampsie-Risiko am Termin durch gezieltes Screening reduzieren?

  • 8.000 Schwangere nahmen teil
  • Risikotest in der 36. Schwangerschaftswoche mit dem FMF-Algorithmus
  • FMF-Modell kombiniert Blutdruckwerte, Blutmarker und individuelle Faktoren
  • Bei hohem Risiko: geplante Geburt zwischen der 37. und 40. Woche
  • Bei niedrigem Risiko: normale Betreuung

Die Ergebnisse: 30 % weniger – ohne Risiken

Die Präeklampsie-Rate sank von 5,6 % auf 3,9 % – eine Reduktion um 30 %. Und das ohne Anstieg von Notfall-Kaiserschnitten oder Aufnahmen in die Neugeborenen-Intensivstation.

„Eine Reduktion um 30 % bei der terminnahen Präeklampsie ist sehr bedeutsam. Sie übertrifft sogar den Effekt, den wir mit Aspirin bei früher Präeklampsie erzielen können.“ – Prof. Kypros Nicolaides, Fetal Medicine Foundation

Wie funktioniert das Risikomodell?

🔬 Blutdruck → Erhöhte Ausgangswerte sind ein früher Hinweis auf gestörte Gefäßfunktion

📊 Blutmarker → Bestimmte Proteine zeigen, wie gut Plazenta und Gefäße funktionieren

👤 Individuelle Faktoren → Alter, Gewicht, Vorerkrankungen, frühere Schwangerschaften

Originalquelle: Goadsby J. et al. (2025). The Lancet. DOI: 10.1016/S0140-6736(25)01207-3 → Zur Originalstudie

Written by
PD Dr. Dr. Kilian Vomstein
PD Dr. Dr. Kilian Vomstein

Mein beruflicher Schwerpunkt ist der Umgang mit unerfülltem Kinderwunsch und wiederholten Fehlgeburten, in dem ich umfassende klinische und wissenschaftliche Erfahrungen gesammelt habe. Ich strebe danach, für jedes Paar individuelle Lösungen zu finden.